Privacy Policy Zweiter Teil über den Einfluss der Geheimdienste auf die politische Entwicklung der BRD in der Nachkriegszeit – AG News

Zweiter Teil über den Einfluss der Geheimdienste auf die politische Entwicklung der BRD in der Nachkriegszeit

Advertisements

 

Fortsetzung des ersten Teils:

Die Kontrollen des Managements über diese Einheiten in West-Berlin waren schwach.

Ab Mitte 1954 war Basischef Harvey damit beschäftigt, seine aufkeimende CIA-Basis in neue Unterkünfte zu verlegen, d.h. die BOB neu zu organisieren und den Bau des Tunnels zu leiten, der zum Abhören sowjetischer Telefonkabel erforderlich war.

Das erweiterte BOB hätte Abteilungen für Ostdeutschland, die sowjetischen Satellitenländer, die Sowjetunion selbst und Spionageabwehr umfassen sollen.

In Wirklichkeit wurde jedoch nur die ostdeutsche Sektion eingerichtet, um die Aktivistengruppen zu führen und sie war personell dünn besetzt.

Eine Projektüberprüfung vom November 1954 (Dokument 1) stellt fest, dass die CIA davon ausgegangen war, dass nur ein Offizier auf der Berliner Basis (und zwei weitere im Hauptquartier) ausreichen würden, um die KgU im Griff zu behalten.

Dies war besonders heikel, weil der Kampfkreis gegen die Menschenverachtung in der DDR das Mobbing als eines seiner wichtigsten Ziele ansah.

Sein XXL-Büro verbrauchte den Großteil des CIA-Geldes, mit 5 Mitarbeitern in der Zentrale, 10 weiteren in Feldsektoren und 125 in ostdeutschen Netzwerken.

Diese Agenten erhielten und verteilten Propagandamaterial und beteiligten sich an den Belästigungsoperationen.

Das Komitee der Freien Juristen und das Büro Cramer (Dokumente 3, 4, 6, 11) waren weitere Propagandaquellen.

Alle waren vor den DDR-Unruhen aktiv gewesen.

Im Juli 1952 hatten DDR-Geheimdienstler in einer großen Provokation einen Spitzenfunktionär der Freien Juristen entführt.

Der Wunsch der Juristen, entsprechend zurückzuschlagen, war deshalb ganz offensichtlich.

Sowohl die Juristen als auch das Cramer Bureau stellten nach dem Berliner Aufstand Propagandaprodukte her, die auf diesen Ereignissen aufbauten.

Daher war es nicht einfach, Vorwürfe zurückzuweisen, dass die CIA durch ihre deutschen Aktivistenorganisationen eine Rolle bei der Auslösung der ostdeutschen Unruhen gespielt hatte.

Die Entführung von Dr. Walter Linse, einem hochrangigen Beamten der Freien Juristen, in West-Berlin durch ostdeutsche Agenten zeigte die zunehmende ostdeutsche und sowjetische Beschäftigung mit dem Sieg über den verdeckten Feind.

Linse wurde nie wieder gesehen.

Bis 1959 folgten ihm bis zu 62 Personen nach, welche in die DDR verschleppt wurden.

Insbesondere nach den Berliner Krawallen kam es innerhalb der DDR zu Verhaftungswellen.

Allein wegen angeblicher Verbindungen zum KgU verhängten östdeutsche Gerichte über 126 Todesurteile.

Sowjetische Behörden führten die Hinrichtungen durch.

1955 führten die Behörden der Ostzone eine Medienkampagne gegen die deutschen Aktivisten durch.

Dazu gehörte das Einsetzen ostdeutscher Agenten in den Strom der Vertriebenen in den Westen, die dann die Fighting Group und die Freien Juristen infiltrierten, Dokumente entwendeten und dann in die DDR umsiedelten, wo die Materialien in den Medienkampagnen verwendet wurden.

Im Herbst 1955 schwappten die antiwestlichen Manöver auf die westdeutsche Presse über, als das Wochenmagazin Der Spiegel und die Tageszeitung Die Welt Exposés über die Aktivitäten der Kampfgruppe veröffentlichten.

Die CIA arbeitete daran, Taktiken zu entwickeln, um diesen Angriffen zu begegnen.

Eine dieser Maßnahmen bestand darin, einen Anwalt zu engagieren, der vielen der beteiligten Akteure bekannt ist, um die KgU zu verteidigen und implizit mit Verleumdungsklagen gegen die Zeitung und das Magazin zu drohen (Dokument 2).

Eine andere Form der Verteidigung bestand darin, die Deckungsvorkehrungen zu verbessern, die getroffen wurden, um die Geheimhaltung der verdeckten Aktivitäten zu wahren.

Die CIA experimentierte mit einem ihrer Projekte, LCCASSOCK, und vertiefte die konventionelle Veröffentlichungsrolle ihrer verdeckten Einheit, des Cramer Bureau, um es unschuldiger erscheinen zu lassen (Dokument 6).

Eine andere Taktik bestand darin, keine falschen Versionen ostdeutscher Veröffentlichungen zu erstellen und Propaganda zu ersetzen, die einfach den Stil der DDR-Propaganda nachahmte, wie in der Projektverlängerung von 1956 für LCCASSOCK (Dokument 4) gezeigt wurde.

Die zugrunde liegende Realität der CIA-Operationen machte es jedoch zwingend erforderlich, die Zusammenarbeit mit den Westdeutschen und die Rolle der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland zu verstärken.

CIA-Überlegungen, wie dies zu bewerkstelligen sei, wurden hektisch zwischen dem Hauptquartier und dem Außendienst hin und her geschickt (Dokument 3).

Unabhängig vom Grad der Zusammenarbeit zwischen den USA und der BRD standen die Westdeutschen in der sensiblen politischen Atmosphäre der Zeit unter Druck, die Präsenz von Organisationen in Berlin und Westdeutschland zuzulassen, die nicht nur Propaganda in der DDR verbreiteten, sondern auch Kommandooperationen durchführten .

Debatten in der westdeutschen Legislative, dem Bundestag, im Jahr 1957 zeigten, dass sich die BRD in Richtung strafrechtlicher Ermittlungen von kommandoartigen Aktionen bewegte, zumindest bei der Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit (Dokument 5).

Letztendlich hatte die CIA nur wenige Alternativen.

Als sich die westdeutsche Regierung weigerte, die volle Verantwortung für die verdeckten Operationen der CIA zu übernehmen, traf die Agentur Vorbereitungen, um sie einzustellen.

Die Sowjets halfen bei der Schließung, indem sie die verdeckten Einheiten zum Thema machten.

Insbesondere in der Berlin-Krise von 1959.

Dabei ging es um sowjetische Forderungen nach einer Lösung langjähriger Berlin-Fragen bis zu einem bestimmten Datum, welche deshalb oft als „Berlin-Deadline-Krise“ bezeichnet wurden.

Moskau verurteilte die westliche (US-amerikanische) Spionage und Propaganda, die von der geteilten Stadt aus durchgeführt wurde.

Zufällig reagierte die Central Intelligence Agency bereits im Rahmen einer Entscheidung vom Oktober 1958 und schloss die Fighting Group im Juni 1959 (Dokument 8).

Dennoch konnten die Außendienstmitarbeiter der Versuchung eines letzten Versuchs nicht widerstehen.

Anfang 1959 befürwortete die Berliner Basis ein Programm verdeckter Aktionen, die die Diplomatie der Russen erschweren könnten.

Eine hochrangige Studiengruppe unter dem Vorsitz des Diplomaten Robert Murphy unterstützte die Idee.

Das Board of National Estimates der CIA, das oberste Analysebüro der Geheimdienste, äußerte jedoch ernsthafte Zweifel (Dokument 9).

Am 15. Mai 1959 berief Präsident Eisenhower ein Treffen im Oval Office ein, um das Aktionsprogramm zu erörtern.

Eisenhower traf keine sofortige Entscheidung, aber er schätzte, dass ähnliche Initiativen zuvor funktioniert hatten und er sprach sich nicht gegen die Idee des Murphy-Komitees aus (Dokument 10).

Der Präsident wies die verdeckte Initiative jedoch letztendlich zurück.

Nichtsdestotrotz zeigt eine CIA-Aufzeichnung vom Juni 1960, dass das Cramer-Büro immer noch dabei war, liquidiert zu werden (Dokument 11).

Dies verdeutlicht die Schwierigkeiten, die mit der Schließung verdeckter Operationen der Agenturen verbunden waren.

Es gibt keine Gesamtbilanz, die den Erfolg (oder Misserfolg) im geheimen Krieg um Deutschland in den 1950er Jahren zeigt.

Sowohl die westlichen Länder als auch die Sowjetunion verfolgten diesen Konflikt eifrig, wie die hier vorliegenden Dokumente zeigen.

Es besteht kein Zweifel, dass ihre Machenschaften die Bemühungen um die Schaffung eines eigenständigen Staates anstelle des ehemaligen Hitlerdeutschlands erschwerten.

Die verdeckten Operationen trugen zu den Feindseligkeiten bei, die während der gesamten Ära andauerten und im August 1961 zum Bau der Berliner Mauer führten.

Diese Krise, die bisher schärfste, trug zu sowjetischen Ängsten bei, die zur weltbedrohenden Kubakrise führten.

 

Die Dokumente

Dokument 1

CIA-Papier, Project Outline for Fighting Group Against Inhumanity, 17. November 1954 17.

November 1954 Quelle: Überprüfungsausschuss für Dokumente über Nazi-Kriegsverbrechen Verlängerungen der verdeckten CIA-Operationen wurden auf der Grundlage von Projektüberprüfungen genehmigt.

Diese folgten einem festgelegten Format, beginnend mit einer Zusammenfassung der Betriebsgeschichte, der Genehmigung, des aktuellen Status, der Erfolge und so weiter.

In diesem speziellen Fall ging es um die deutsche politische Gruppierung Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (oder KgU), die im Englischen als „Fighting Group Against Inhumanity“ oder bei der CIA als Projekt DTLINEN bekannt ist.

In diesem Bericht gab die Agentur zu, dass sie die KgU „seit ihrer Gründung im Jahr 1949“ „subventioniert und geführt“ habe.

(Nähere Details zum KgU-Projekt werden in dem kommenden Digital National Security Archive Set VI der CIA-Dokumentensammlung enthalten sein, das die Truman-Administration abdecken wird.)

Abgesehen von kleineren Geschenken von Berlinern und westdeutschen Bürgern „erhält die KgU ihr gesamtes Geld finanzielle Unterstützung von der CIA.“

Zunächst zu Propagandazwecken gedacht, verlagerte sich DTLINEN bis 1954 auf „administrative Schikanen“ von Behörden in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands.

Die westdeutsche und die westberliner Regierung, das Büro des Hohen Kommissars und der britische Geheimdienst MI-6 waren sich alle der Rolle der CIA in der Fighting Group bewusst.

Die beiden Spitzenbeamten der KgU waren sich der CIA-Verbindung so bewusst, dass der Sachbearbeiter der Agentur offen mit ihnen arbeitete.

Es wird beschrieben, dass die KgU die Spionageabwehr und sowjetischen Überläuferoperationen der CIA-Basis Berlin unterstützt und bis zu 600 Berichte pro Monat zur Bilanz der Basis beiträgt.

 

Dokument 2

CIA Memo, Air Pouch, Chief of Station, Germany-Chief of Base, Berlin – Deutsche Presseklappe über Fighting Group Against Inhumanity,

16. November 1955 16. November 1955 Quelle: Elektronischer Lesesaal der CIA

Frühere Vorwürfe, die Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit habe Sabotageakte in der DDR durchgeführt, wurden erfolgreich entkräftet, aber im September und Oktober 1955 veröffentlichten das Nachrichtenmagazin Spiegel und die Zeitung Die Welt neue Anklagen mit mehr Substanz.

In diesem Dokument berichtet der Chef der CIA-Station für Deutschland, John Bross, dem Chef der Berliner Basis, Bill Harvey, über die Bemühungen, den Vorwürfen entgegenzuwirken.

KgU-Direktor Ernst Tillich hatte Rechtsanwalt Curt Bley mit seiner Verteidigung beauftragt.

Laut Kopien von Bleys Darstellungen gegenüber den deutschen Pressebeamten, die in diesem Luftbeutelpaket enthalten waren, kam die Anti-KgU-Kampagne einer geplanten Operation gleich, die zwischen Redakteuren und Journalisten der Medien vereinbart wurde.

Bley fügte explizite Details hinzu, wie zum Beispiel, dass Dokumente aus KgU-Akten gestohlen und von einem ehemaligen Mitarbeiter im Kohlenhaufen in seinem Keller versteckt worden seien.

 

Dokument 3

CIA-Memo, Memorandum an DCI – Bericht über die westdeutsche Regierung und die CIA über die Fighting Group Against Inhumanity, 23. November 1955 23.

November 1955 Quelle: Überprüfungsausschuss für Dokumente über Nazi-Kriegsverbrechen

Dieses CIA-Memo des Leiters der Osteuropäischen Abteilung des Directorate of Operations informiert Direktor Allen Dulles über den Hintergrund hinter der Agenturmeldung FRAN 4690, die die Positionen der deutschen Station zu einer Reihe von Themen artikulierte, die mit der westdeutschen Regierung und den Stadtbehörden in West-Berlin diskutiert wurden.

In dem einen Monat, seit die CIA mit Presseenthüllungen über DTLINEN und die KgU (Dokument 2) gerungen hatte, war die Situation so unhaltbar geworden, dass die Vereinigten Staaten ein offizielles Treffen mit der westdeutschen Regierung und dem Westberliner Parlament abhielten, bei dem die CIA ihre Unterstützung zugab für die KgU und mehrere andere Organisationen, einschließlich des Untersuchkungsausschusses Freiheitlicher Juristen (UFJ, oder Investigative Committee of Free Jurists), der von der CIA als Projekt CADROIT betrieben wird.

Jetzt war die CIA bereit, sich hinter einen gemeinsamen Vorstand aus deutschen und CIA-Vertretern zurückzuziehen, der die verdeckten Projekte leiten würde, und die Seiten hatten den Punkt erreicht, an dem sie die Modalitäten für den Betrieb des Systems festlegten.

 

Dokument 4

CIA Paper, Project review for Werbebuero Cramer (Cramer Public Relations Office, oder LCCASSOCK), 19. Oktober 1956 19. Oktober 1956 Quelle: Überprüfungsausschuss für Dokumente über Nazi-Kriegsverbrechen

Das Projekt LCCASSOCK war eine große schwarze Propaganda-Operation der CIA, und dies ist ihr ausführlicher Projektrückblick für 1956.

Das Büro bereitete, druckte und verschickte gefälschte Ausgaben ostdeutscher Veröffentlichungen und schmuggelte sie über die innerdeutsche Zonengrenze zur Verteilung in der Deutschen Demokratischen Republik.

Bis 1952 wurde das Büro durch Zuwendungen aus westdeutschen offiziellen Quellen unterstützt, was mit einem Streit um die Geheimhaltung der Propagandaquelle endete.

Die Finanzierung hatte die CIA durch ein weiteres verdecktes Projekt im April 1952 und als direkt genehmigte Initiative ab Juli 1954 übernommen.

Die erneute Genehmigung von 1956 zielte darauf ab, von gefälschten ostdeutschen Veröffentlichungen Abstand zu nehmen und gleich ganz offen gegen das Regime gerichtete Artikel zu unterstützen.

Es produzierte auch kritische Briefe, die in den Osten versandt wurden.

D.h. Briefe an Personen, die geschrieben hatten, um die Veröffentlichungen zu kommentieren und Sonderpublikationen zu bestimmten Themen, wie ostdeutschen oder sowjetischen Kommunistischen Parteitagen.

In der ersten Hälfte des Jahres 1956 hatte LCCASSOCK 122.500 Exemplare seiner verschiedenen Veröffentlichungen in Umlauf gebracht.

 

Dokument 5

CIA-Depesche, Westdeutscher Bundestagsdiskussion der Fighting Group Against Inhumanity, 30. November 1957 30.

November 1957 Quelle: Elektronischer Lesesaal der CIA

Die anhaltende Sensibilität der verdeckten Operationen der CIA wird in dieser Depesche von Ende 1957 (Berlin 4913) veranschaulicht, die parlamentarische Debatten über die Fighting Group Against Inhumanity beschreibt.

Dieses Telegramm zeichnet öffentliche Reden und politische Positionen mehrerer Berliner Gesetzgeber auf und zeigt, dass deutsche Politiker bereit waren, die KgU zu verteidigen, aber auch ihre frühere „Freizügigkeit“ als verdecktes Vermögen der CIA anzuerkennen und dass Beweise für kriminelle Handlungen an einen Staatsanwalt weitergeleitet werden sollten.

Berlins damaliger Bürgermeister Willy Brandt sollte das Gefühl haben, dass die Stadt schwach, aber die Bundesrepublik Deutschland (hier FedRep) stark sei, also sollte sich die FedRep um Anweisungen für DTLINEN kümmern.

 

Dokument 6

CIA Paper, Commercial Cover für LCCASSOCK, 15. September 1958 15.9.1958 Quelle: Überprüfungsausschuss für Dokumente über Nazi-Kriegsverbrechen

Die Agentur zog um, um dem schwarzen Propagandaorgan Berlins unter dem Namen Schlagzeug eine tiefere kommerzielle Tarnung zu verleihen.

Von April bis Juni 1958 beobachtete sie die Wirksamkeit dieser kommerziellen Deckung im Rahmen der erneuten Genehmigung des Projekts.

Die Berliner Operationsbasis hatte die Kommerzialisierung des Cramer-Büros seit mindestens 1955 sowohl als Mechanismus zur Legalisierung seiner Aktivitäten als auch als möglichen Ausgleich für die CIA-Finanzierung angesehen.

Die CIA („KUBARK“) behielt eine 76 %ige Kapitalbeteiligung an der kommerziellen Einheit CASSOCK.

Beamte der Agentur erwarteten, dass die Kommerzialisierung den Anteil des Druck- und Redaktionsvermögens erweitern würde, das legitimen Geschäftsaktivitäten gewidmet ist, aber dass die CIA CASSOCK auf „selektiver finanzieller und operativer Basis“ verwenden würde (S. 2).

Während der Versuchszeit blieben die Verkäufe der Schlagzeug-Veröffentlichungen hinter den Erwartungen der CIA zurück, was jedoch auf Anlaufschwierigkeiten zurückgeführt wurde.

Die Projektschätzungen wurden im letzten Moment entsprechend einem verspätet eintreffenden geänderten Vorschlag (der nicht beigefügt ist) revidiert.

 

Dokument 7

CIA-Depesche, Chef der Basis, Berlin – Chef der Station, Deutschland, What to do with Fighting Group Against Inhumanity, 15. Oktober 1958 15.

Oktober 1958 Quelle: Überprüfungsausschuss für Dokumente über Nazi-Kriegsverbrechen

Berlin Operations Base (BOB) kommentiert gegenüber Stationsleiter Henry Pleasants ein Papier vom Sommer 1958, in dem die Beendigung des Projekts DTLINEN vorgeschlagen wird, mit Randbemerkungen, wahrscheinlich vom Empfänger.

Obwohl der ursprüngliche Kündigungsvorschlag nicht hier notiert ist, machen das Papier und die Randkommentare deutlich, dass sowohl BOB als auch der Chef der CIA-Station bereit sind, mit einer Schließung fortzufahren.

Der Berliner Stützpunkt wirft mehrere Fragen zur Fortsetzung bestimmter Aktivitäten der KgU auf.

Es besteht Interesse daran, dass der westdeutsche Bundesnachrichtendienst (BND) die Unterstützung des KgU oder zumindest seiner zentralen Akten übernimmt oder dass das von CIA und BND gemeinsam finanzierte Projekt CAWASH dasselbe tut, aber letzterer hatte zuvor seine ablehnende Haltung für die Fighting Group signalisiert.

Das war nicht sehr praktisch.

Die CIA-Beamten zeigten auch, dass ihnen westdeutsche Gerichtsverfahren gegen einige Mitglieder des KgU bekannt sind, was die Beendigung der CIA-Unterstützung für Deckungszwecke noch kritischer machte.

 

Dokument 8

CIA-Papier, Termination of Fighting Group Against Inhumanity, 28. Oktober 1958 28. Oktober 1958

Quelle: Überprüfungsausschuss für Dokumente über Nazi-Kriegsverbrechen

Gleichzeitig mit den internen Beratungen der CIA über die Zukunft von DTLINEN teilte ein Vertreter des für gesamtdeutsche Angelegenheiten zuständigen Ministeriums der CIA mit, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht nur das verdeckte Aktionsprojekt nicht übernehmen wird, sondern ihre Regierung auch nicht bereit ist, weiter einzugreifen.

Der Gesetzgeber (Bundestag) war der Meinung, dass die bisherigen Aktivitäten des KgU keinen kriminellen charakter gehabt hätten.

Der Beamte, der als zuvor freundlich zum CIA-Projekt beschrieben wurde, riet den amerikanischen Spionen, das verdeckte Projekt loszuwerden.

Agenturdirektor Allen Dulles wies daraufhin seinen Apparat in Deutschland an, die Unterstützung des KgU bis zum 30. Juni 1959 einzustellen.

 

Dokument 9

CIA Memo, Stellungnahme des Board of National Estimates für das DCI, Psychological Warfare Activity in Berlin, 1. April 1959

1. April 1959 Quelle: CIA Historical Review Program

Angesichts der sich abzeichnenden Vier-Mächte-Verhandlungen über Berlin schlug ein Komitee hochrangiger Beamter unter dem Vorsitz von Robert Murphy eine Kampagne psychologischer Kriegsführung und politischer Aktionsmaßnahmen vor, von denen CIA-Agenten argumentierten, dass sie die Sowjets dazu bringen könnten, ihr eigenes Säbelrasseln zu reduzieren.

Bevor er einem solchen Programm zustimmte, holte Direktor Dulles die Meinung seiner besten Analysten beim Board of National Estimates (BNE) ein.

Der BNE ging über seine übliche Rolle hinaus, bestimmte Situationen zu untersuchen oder allgemeine Trends im Verhalten von Ausländern vorherzusagen und legte eine Stellungnahme zu einem bestimmten Telegramm der CIA-Station in Bonn, der westdeutschen Hauptstadt, vor.

Der Vorstand ging einfach davon aus, dass die CIA über die Fähigkeiten zur Durchführung der vorgeschlagenen verdeckten Aktionen verfügte.

Er bezweifelte jedoch, dass die Operationen die angekündigten Ergebnisse erzielen könnten, ohne „die Hoffnungen und möglicherweise sogar die Widerstandsaktivitäten der Satellitenpopulationen“ in Ostdeutschland, Polen und Ungarn wesentlich zu steigern (S. 1).

BNE glaubte, dass die geplante verdeckte Aktionskampagne tatsächlich „die sowjetische Unnachgiebigkeit gegenüber West-Berlin verstärken würde“ (S. 2).

 

Dokument 10

NSC-Memo, Memorandum of Conference mit dem Präsidenten, 15. Mai 1959 15. Mai 1959 Quelle: Elektronischer Lesesaal der CIA

Etwa sechs Wochen nach einer BNE-Stellungnahme über den Beginn einer Operation zur psychologischen Kriegsführung (Dokument 9) wird der Vorschlag für eine verdeckte Aktion im Weißen Haus bei einem von Präsident Dwight D. Eisenhower einberufenen Treffen geprüft.

CIA-Direktor Allen Dulles erklärte, er habe bereits im Januar 1959 mit seinem Bruder, dem ehemaligen Außenminister John Foster Dulles, über ein solches Programm gesprochen.

Und auch darüber, was getan werden könnte, um die Gespräche verdeckt zu beeinflussen.

Die Agentur würde sich auf sorgfältig geplante Lecks verlassen, die selektiv hochrangigen Vertretern des russischen und des sowjetischen Blocks vorgelegt wurden.

Einige Lieferungen könnten vorgezogen werden, um den Anschein zu erwecken, als würde die CIA eine Partisanenkampagne in Osteuropa vorbereiten.

Sie wusste, wie dies zu erreichen war.

Die CIA würde versuchen, die Wirksamkeit ostdeutscher Beamter zu untergraben.

Robert Murphy warf ein, dass sich ein solches „Durchsickern“ positiv auf die Verhandlungen in Genf auswirken könnte.

Präsident Eisenhower erklärte, dass er den Plan verstehe.

Später beklagte sich Verteidigungsminister Neil McElroy, dass die Briten im Nahen Osten alle für eine gemeinsame Planung seien, in Berlin aber nirgends zu finden seien.

 

Dokument 11

CIA-Depesche, Chef, BOB-Chief East European Division, Beendigung des Projekts LCCASSOCK, 20. Juli 1960

20. Juli 1960 Quelle: Elektronischer Lesesaal der CIA

Dieser Bericht des Chefs der Berliner Basis, David Murphy, bietet einen faszinierenden Einblick in die Probleme, die mit der Beendigung einer CIA-Operation verbunden sind.

Hierbei hat das Cramer Bureau (LCCASSOCK), das die Agentur zuvor versucht hatte, mit einem neuen juristischen Deckmantel als harmlosen Verlag auszugliedern, Schiffbruch erlitten.

Die CIA-Basis verfolgte die Fortschritte der Mitarbeiter des Cramer-Büros bei der Suche nach einer neuen Beschäftigung, beauftragte eine Person mit dem Verkauf von CASSOCKs Büromöbeln und -ausrüstung und erzielte damit tatsächlich sogar einen Gewinn.

Wer hätte auch das nur gedacht?

Die waren damals noch richtig gut!

Sicherheitshalber ließ man aber ein anderes verdecktes CIA-Projekt einige der Artikel kaufen.

Diese Schlitzohren!

Die BRD-Steuerbehörden verfolgten die Agentur eigentlich wegen nicht gezahlter Steuernachzahlungen und verlangten genauere Informationen über ihre ausländischen Investoren, die Cramers CIA-Finanzierung hätten enthüllen können.

Das ist der erste gute Witz über das deutsche Finanzamt, welches damals auch noch richtg gut gewesen war.

Beamte der Agentur intervenierten daraufhin natürlich bei den Westdeutschen, um die Geheimhaltung der amerikanischen Spionageoperation zu wahren.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sogar noch einige von ihnen.

Den Newsletter zu diesem Blog können Sie hier abonnieren: 

https://arrangement-group.de/newsletter/

Shares
Cresta Help Chat
Senden via WhatsApp