Privacy Policy Der Börsengang von Aramco wird zur Nagelprobe für Saudi-Arabien | AG News

Der Börsengang von Aramco wird zur Nagelprobe für Saudi-Arabien

Viele wohlhabende Bürger in Saudi-Arabien sehen es als eine Art Ehre an, sich am Börsengang von Aramco zu beteiligen, weil sie sich dazu verpflichtet fühlen. Sie möchten Kronprinz Mohammed bin Salman ihre Ergebenheit zeigen, weil dies für sie gesünder ist. Denn er scheute selbst in seiner eigenen großen Familie vor geraumer Zeit nicht davor zurück, Gewalt anzuwenden, um ein Haushaltsloch in seinem Land mit den “Spenden” seiner Verwandschaft zu stopfen. Da lobe ich mir doch unsere Geldpresse in der EZB, weil sie uns erst später die Pistole auf die Brust setzen wird. Das Ergebnis wird jedoch in beiden Fällen das gleiche sein. Er lud damals seine nichtsahnenden Verwandten zu einer Familienfeier in ein Hotel ein und wer keine Lust auf einen Kashoggi d.h. Folter hatte, der war nach dieser Party einen guten Teil seines Vermögens los. Im vorauseilenden Gehorsam lassen es die entsprechenden oberen Zehntausend in diesem Königreich deshalb in diesen Tagen gar nicht mehr darauf ankommen und zücken lieber gleich im Vorfeld freiwillig ihr Portemonnaie. Mit diesem mulmigen Gefühl in der Magengrube dürften wohl einige kürzlich zu seiner Veranstaltung im Stil von Davos in die Wüste gefahren sein. Außerdem wurde die Zentralbank von Saudi-Arabien auch schon einmal sicherheitshalber angewiesen, bei diesem Gang auf das Börsenparkett nicht zimperlich zu sein und die Kreditlimits dieser Herrschaften deutlich heraufzusetzen.

Aramco ist die größte und profitabelste Firma der Welt und bis vor wenigen Wochen hatte noch jeder wichtige Bankier auf dieser Welt alle Kontakte spielen lassen, um bei diesem Event mit dabei zu sein. Der Börsenprospekt müsste demnächst veröffentlicht werden und man kann von einem Ausgabevolumen von 2 Billionen Dollar ausgehen. Ob diese Wunschvorstellung aber auch in Erfüllung gehen wird, ist ziemlich unwahrscheinlich, denn realistischer ist eher eine Summe um die 400 Milliarden Dollar herum. Man läge dann in Sachen Börsenkapitalisierung irgendwo in der Nähe von Facebook und Amazon. Denn nach dem gefloppten Börsengang von Wework hat sich das Umfeld für solche Vorhaben stark eingetrübt. Der Kronprinz möchte sein Land künftig diversifizieren und vom Erdöl unabhängiger machen. Das hätte man aber besser schon vor 20 oder 30 Jahren getan, aber hier wie dort wird lediglich viel geredet und nichts getan. Der WTI-Ölpreis wurde zwar in letzter Zeit sehr auffällig im Vorfeld dieses Börsengangs manipuliert, aber die großen Zeiten der Manipulation neigen sich global ihrem Ende entgegen. Es nützte deshalb alles nichts, weil er bockig bei 55 Dollar pro Fass stehenblieb. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise ist tendenziell eher mit einem weiter sinkenden Ölpreis zu rechnen und damit werden die Investitionen in Aramco ziemlich schnell sauer werden. Man hätte sich für dieses Projekt keinen schlechteren Zeitpunkt in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte auswählen können und deshalb muss der Kronprinz auch wieder zu außergewöhnlichen Mitteln greifen.

Dieser Einblick in die real existierende Raubwirtschaft beschränkt sich nicht nur auf dieses Land, sondern die ganze Welt. Wer in diesem Finanzsystem in gehobener Position mitspielt, der muss in Krisensituationen auch Opfer bringen. Und dabei handelt es sich nicht immer nur um Geld. Dies ist der wahre Hintergrund für die meisten “Tragödien” unter den Schönen und Reichen in der Boulevardpresse, welche davon ganz gut lebt.

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