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Der Erdölpreis und die negativen Zinsen werden absehbar zu einem großen Problem

Am 21. Juni 2019: Der WTI-Ölpreis stieg innerhalb eines Tages so stark an, wie seit 5 Monaten nicht mehr. Das wäre an sich schon eine Sensation, aber zu Beginn des Sommers gab es so etwas noch nie. Normalerweise sinkt der Ölpreis im Sommer ab, weil die Nachfrage im Sommer in den noch wirtschaftlich führenden nördlichen Staaten der Welt abnimmt. Er zieht deshalb erst im Herbst wieder an und bleibt über den Winter hinweg hoch. Wie sehr muss deshalb die Öljacke der Saudis bereits brennen, wenn man ihn schon zum zweiten Mal nur noch über eine Kriegsandrohung nach oben treiben kann? War die erste Kriegsdrohung noch relativ professionell, hat uns die zweite jetzt gezeigt, wie nackt die Amerikaner inzwischen militärisch dastehen. Zunächst kündigte Trump eine Bombardierung an, welche er wieder kurz vor dem Start zurücknahm. In der jetzigen weltwirtschaftlichen Situation würde ein heißer Krieg die Weltwirtschaft rasch zum Einsturz bringen. Das würde zu einem weltweiten Chaos führen. Doch nun wurde der Ölpreis künstlich in die Höhe getrieben, in welcher er nicht bleiben wird. Er muss wegen der geringen Nachfrage wieder sinken und wenn er dann keinen geeigneten Boden mehr findet, dann haben sich die Saudis richtig schön ins Knie geschossen.

Das nächste brennende Problem sind die negativen Zinsen. Erstmals seit 2016 hat die Summe der Staatsanleihen mit einer negativen Verzinsung eine neue Rekordhöhe von 12,3 Billionen Dollar erreicht. Nur Norwegen, Großbritannien, die Tschechische Republik und Italien haben noch durchgehend bei allen Laufzeiten eine positive Verzinsung. Doch auch dies wird sich demnächst bei diesen restlichen Ländern noch ins Negative ändern, weil die Summe der sich negativ verzinsenden Schulden bereits zum 700 Milliarden Dollar auf insgesamt 13 Billionen Dollar erhöhte. Und weil Donald Trump den amtierenden Chef der amerikanischen Zentralbank FED nur deshalb feuern will, weil dieser die Zinsen noch nicht senkte, dürfte das Ziel dieser Reise jedem einleuchten. Bei den negativen Zinsen handelt es sich um Neuland im Bereich des wirtschaftlichen Wahnsinns. Keiner weiß, wann dieser Schuss nach hinten losgeht, aber wir werden es bald alle in der Praxis erleben. Auch diese Zeitschiene führt in den Herbst und ich kann wirklich allen nur empfehlen, den Kontinent Europa jetzt nicht mehr zu verlassen. Die Reise nach Australien oder Neuseeland könnte durchaus zu einer Veranstaltung der Never-Come-Back-Serie werden. Ohne Geld kommt man in Europa über den Jakobsweg wieder nach einem halben oder ganzen Jahr seelisch und körperlich geläutert nach Deutschland zurück. Aus Übersee wird das nicht nur wegen der hungrigen Haifische etwas schwieriger.

Die chinesischen Aktien reagierten gestern auf die Ankündigungen von Zinssenkungen in Europa positiv und stiegen nach der Börseneröffnung auch prompt an. Aber schon in der zweiten Tageshälfte war die Luft in China wieder raus und man muss kein Genie sein, um zu verstehen, dass diese Masche nicht mehr funktionieren wird. Man muss bereits jetzt schon langsam am Verstand der Börsianer zweifeln, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch mitmachen. Bemerkenswerterweise zeigen die chinesischen Staatsanleihen z.B. die Zehnjährigen keine rekordverdächtig niedrigen Zinssätze an. Aber auch hier müssen wir nicht mehr lange warten. Die europäischen Aktienmärkte eröffneten gestern mit fast senkrecht nach oben schießenden Aktienkursen, weil die Wirtschaft insbesondere in den südlichen Ländern wie verrückt boomt. Doch weil dies leider nicht der Fall ist, ließ die Dynamik der heißen Luft schon am Nachmittag wieder nach. Das Schlusslicht bei den europäischen Aktien bildete Spanien. Mit den Zinsen der europäischen Staatsanleihen sanken übrigens auch die Aktienkurse der europäischen Banken, weil diese mit den Spareinlagen der Deutschen solche Papiere erworben haben. Das macht dann erst so richtig Spaß, wenn sich abzüglich der negativen Zinsen diese Staatsanleihen als völlig wertlos erweisen. Das war übrigens im letzten Jahrhundert mit deutschen Staatsanleihen schon zweimal der Fall. Es kommt also nicht ganz so selten vor, wie man sich das bislang noch vorstellt. Die Aktie der Deutschen Bank notierte gestern im Wachkoma bei 6,32 Euro. Wenn die EZB den Stecker bei der Deutschen Bank zieht, dann gehen in Deutschland schlagartig die Lichter aus. Insbesondere die an den Geldautomaten. Die US-Aktien stiegen in der Nacht zum Donnerstag auf Höchstwerte an, wurden nach der Börseneröffnung aber schnell wieder verkauft. Es verhält sich hier wie bei der Reise nach Jerusalem. Wenn die Musik der Zentralbanken verstummt und man keinen Platz mehr auf einem Stuhl bekommt, dann war es das gewesen. Die US-Aktien legten erst nach der Drohung Donald Trumps an den Iran wieder zu. Nur deshalb wurde diese Drohung ausgesprochen, doch wie oft kann er das noch durchziehen? Auch in den USA litten die Bankaktien unter der niedrigen Verzinsung der US-Staatsanleihen, weil alle Banken auf der ganzen Welt diesen Ramsch kaufen mussten. Tesla konnte von diesem kleinen Aufwind an der US-Börse jedenfalls nicht mehr profitieren und setzte seinen Sinkflug in Richtung Nirwana unbeirrt fort. Auch die neue Aktie Slack, eine App zur Verbesserung der Kommunikation von Teams in Unternehmen, hatte bei seinem IPO (Börsengang) kein richtig großes Glück. Die Slack-Aktie stieg zunächst an und gab dann wieder ab. Man wird später in der Wirtschaftsgeschichte darüber lachen, dass man zu Beginn der großen Krise überhaupt noch Börsengänge durchführte. Sie sehen später so aus, als hätte man auf der sinkenden Titanic noch einen Talentwettbewerb zur Ablenkung des Publikums durchgeführt.

Der Gesamtmarkt der Kryptowährungen stieg auf 302 Milliarden Dollar an und begann damit das Lied „Spiel mir das Lied vom Tod der Fiat Währungen“. Der Bitcoin steigt seit Monaten an und kostet jetzt wieder 9.786 Dollar. Ein Ende ist dabei noch nicht in Sicht, weil die institutionellen Anleger wegen der negativen Zinsen zugreifen müssen. Es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig. Ethereum stieg auf 289 Dollar an und Litecoin auf 140 Dollar. Silber erreichte mit 435 Euro pro Kilo noch nicht die Krisenzone, aber der Goldpreis sendet mit 1.396 Dollar pro Unze eindeutige Signale. Der WTI-Ölpreis erreichte 57,56 Dollar pro Fass und man kann nur gespannt sein, welches Theaterstück als nächstes aufgeführt wird, nur damit wir an der Tankstelle ordentlich zur Kasse gebeten werden können.

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