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Die Aktienmärkte haben die letzten Berührungspunkte zur Realität verloren

Am 6. September 2019: Die indische Automobilindustrie kam im August 2019 beinahe zum Stillstand. Die Inlandsverkäufe der einheimischen Automobilproduzenten gingen bei Tata um verheerende 49 %, bei Maruti Suzuki India um  32,7 % und bei Mahindra and Mahindra (M&M) um 26 % zurück. Diese Meldungen fehlen in unseren Leitmedien komplett, weil hier noch immer das Heile-Welt-Programm abgespult wird. Dass solche Einbrüche in der indischen Automobilindustrie auch Auswirkungen auf andere Wirtschaftssektoren haben werden, muss nicht weiter erwähnt werden. Schlimmer sind jedoch die Aussichten, dass sich diesbezüglich in den nächsten Jahren nichts mehr zum Besseren wenden wird.

Die Lage an den internationalen Aktienmärkten ist inzwischen nur noch mit der eines gigantischen Wanderzirkus zu vergleichen:

Man braucht nur etwas Musik zu machen und schon tanzen die Zirkuspferde. Sie sind nur noch eine Zirkusnummer ohne Netz und doppelten Boden. Da musste nur das Märchen von der Fortsetzung der Handelsgespräche zwischen den USA und China in die Welt gesetzt werden und schon sprangen alle auf diesen Zug auf. Auch die Börsen in China stiegen an, aber sie konnten ihre Gewinne nicht in den Feierabend mitnehmen. In Europa stiegen die Aktien angeführt vom DAX ebenfalls an. In den USA drückten zwei dramatische große Short-Squeezes die wichtigsten amerikanischen Indizes über ihre technischen Widerstandslinien hinaus. Nur die Aktien von Slack brachen erschreckend um 10 % ein, wurden dann aber sogleich hektisch aufgekauft, bis auch sie wieder auf ihrem vormaligen Niveau angekommen waren. Doch die Entwicklung bei den US-Staatsanleihen zeigte ganz klar, dass dies nur ein abgekartetes Spiel war.

Am 7. September 2019: Die brutale wirtschaftliche Realität zeigte sich damit, dass China die Mindestreserven seiner Banken reduzierte, um damit eine zusätzliche Liquidität von 126 Milliarden Dollar freizumachen. Das ist im Privatleben damit zu vergleichen, dass eine Familie die Sparbücher ihrer Kinder auflöst, um die nächste Miete noch bezahlen zu können. Doch was machen China und diese Familie, wenn diese 126 Milliarden Dollar in 4 Wochen verbrannt sind? Die türkische Lira stürzte deutlich ab, nachdem eine türkische Oppositionspolitikerin (Canan Kaftancioglu) zu knapp zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Denn auch in der Türkei brennt es wirtschaftlich an allen Ecken und Enden. Dies ist der wahre Hintergrund der Drohungen Erdogans, welcher die Mindestreserven seiner Banken nicht mehr anzapfen kann, sondern nur noch die EU.

Die amerikanische Firma Blackrock hält übrigens die meisten Anteile an Unternehmen, welche die Regenwälder abholzen, um dort Zellstoff, Palmöl, Kautschuk, Rindfleisch, Soja, Papier und Bauholz zu gewinnen. Würde Blackrock nicht das weltweit eingesammelte Kapital in diesen ökologisch wertvollen Regionen ausgeben, würde der Amazonas nicht brennen. Der norwegische Staatsfonds investiert zum Beispiel sein Geld nicht in solche umweltschädlichen Firmen. Es wäre deshalb sehr einfach, diese Missstände abzuschalten, aber das ist überhaupt nicht gewollt. Die Raubwirtschaft plündert den Planeten weiterhin aus und die Deutschen verzichten dafür auf ihren Lebensstandard.

Der Aktienboom seit der letzten Finanzkrise speiste sich fast ausschließlich durch Aktienrückkäufer aus den betroffenen Unternehmen, welche nicht wuchsen und lediglich mit zinslosen Krediten über Jahre hinweg ihre eigenen Aktien erwarben und uns zum Narren hielten. Dies war der einer der wichtigsten Gründe für die niedrigen Zinsen in den letzten Jahren. Doch jetzt sich diese Unternehmen hoffnungslos verschuldet und weil sie kaum etwas investiert haben auch nicht mehr alleine überlebensfähig. Institutionelle Anleger sind aus den Aktien nach den Erfahrungen aus der letzten Finanzkrise während der steigenden Kurse ohne Verlust ausgestiegen und nicht mehr zurückgekommen. Die amerikanischen Kleinanleger kamen ebenfalls nach der ersten Finanzkrise nicht mehr in den Aktienmarkt zurück. Eine ganze Generation ließ die Finger von den Aktien und deshalb sind sie nichts weiter als ein großes Potemkinsches Dorf.

Damit kommen wir zu den internationalen Aktienmärkten:

Die chinesischen Aktien haben eine großartige Woche hinter sich, allen voran die technologielastige Chinext. Auch in Europa ging es mit den Aktien bergauf, insbesondere in Italien, weil dort jetzt angeblich mit der neuen Regierung alle Probleme gelöst sind. Allein in den USA nahm diese fantastische Woche ein schlechtes Ende, weil dort nach 15:30 Uhr in New York zum zweiten Mal hintereinander ein Verkaufsprogramm startete, welches die Aktien ins Wochenende hinein plumpsen ließ. Es wäre eben doch alles viel zu schön, um wahr zu sein.

Die Kryptowährungen stehen bei 262 Milliarden Dollar und der Bitcoin kostet 10.382 Dollar. Silber mit 527 Euro pro Kilo und Gold mit 1.506 Dollar pro Unze wurden regelrecht krankenhausreif geschlagen. Aber sie werden sich dadurch nicht aufhalten lassen. Der WTI-Ölpreis steht vor dem Wochenende bei 56,52 Dollar pro Fass und ist nicht mehr nach oben zu treiben, obwohl es in der vergangenen Woche fast täglich probiert wurde.

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