Privacy Policy Die wirtschaftlichen Ähnlichkeiten zwischen 1989 und 2019 - AG News

Die wirtschaftlichen Ähnlichkeiten zwischen 1989 und 2019

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Weil auch schon 1989 die anstehenden Veränderungen sehr früh zu erkennen waren, gönnte ich mir im Sommer 1989 eine Reise mit dem Auto von Hamburg nach West-Berlin auf der Transitstrecke. Rückblickend betrachtet, war es die richtige Entscheidung, weil es tatsächlich die letzte Möglichkeit darstellte, den real existierenden Kommunismus noch einmal mit eigenen Augen zu sehen. Denn kein Film der Welt kann einem auch nur ansatzweise zeigen, wie es damals wirklich war. Einerseits war es sehr erschreckend, aber andererseits auch anrührend, weil man sich in den flachen Landschaften Brandenburgs noch einmal so fühlte wie in den Filmen aus den dreißiger Jahren. Auf den Feldern sah man nämlich noch weiß gekleidete Frauen, welche dem Auto aus dem Westen freundlich mit ihren weißen Taschentüchern zuwinkten. An der eigentlichen DDR-Grenze hatte man aber eher den Eindruck, dass man fälschlicherweise direkt die Einfahrt nach Auschwitz erwischt hätte. Aber bei der Ausfahrt aus der DDR war mir intuitiv klar, dass es endgültig mit diesem Regime vorbei war, weil ein NVA-Wachsoldat in der untergehenden Abendsonne angelehnt auf seinem Wachturm stand. Es hätte nur noch gefehlt, dass er geraucht hätte. Dieses winzige Detail war für mich das i-Tüpfelchen auf der DDR, weil ich 11 Jahre zuvor noch selbst ein paar Mal auf einem solchen Turm mit Gewehr stand, allerdings für ein Camp der US-Army. Doch nicht einmal in der dunkelsten aller Nächte hätte ich es jemals gewagt, mich irgendwo im Wachdienst anzulehnen. Dafür sorgte allein schon die Angst vor dem amerikanischen Captain, welcher ein Sioux-Indianer war und scheinbar niemals schlief. Auch nicht nachts um 3 Uhr. Außerdem prahlte er ganz gerne, dass er vier Jahre zuvor noch den Vietkong-Kämpfern eigenhändig den Skalp entfernte.

Der Untergang der Sowjetunion zeichnet sich volkswirtschaftlich bereits sehr früh ab, und zwar schon 1979, weil der Ölpreis wieder einmal verfiel und daraus die Krise von 1981/82 entstand. Mein Vater musste deshalb seinerzeit erstmals Kurzarbeit machen und das war für uns alle neu. Die Sowjetunion verdiente damit wichtige Devisen und deshalb war der Ölpreis einer von mehreren relevanten Sargnägeln. Man hatte im kommunistischen Moskau auf der Suche nach neuen Einnahmen die gleiche Idee, wie später angeblich kapitalistischen Washington und marschierte Ende Dezember 1979 in Afghanistan ein. Damals war der eine oder andere Studienkollege in den ersten Tagen der Meinung, dass wir nach 2 Monaten Studium gleich schon wieder einrücken können. Aber dazu kam es erst 22 Jahre später. Was gibt es in Afghanistan eigentlich an interessanten Rohstoffen? Grundsätzlich eine ganze Menge, aber seit Jahrhunderten interessieren sich die Machthabenden nur für eins: den Anbau von Mohn zur Gewinnung von Opium. Früher befand sich das weltweite Zentrum für die Drogenproduktion in Indien, bis Mahatma Ghandi dem sehr zum Ärger der Briten einen Riegel vorschob. Das Drogengeschäft boomte zu Beginn der achtziger Jahre in den USA und war übrigens auch ganz wesentlich für die Verbreitung von AIDS verantwortlich. Aber auch die Sowjetunion wurde damit in Afghanistan nicht richtig glücklich und da wären wir schon wieder in der heutigen Zeit angelangt, weil sich jetzt der Nachfolger USA im Untergang befindet und deshalb ebenfalls Afghanistan wieder verlassen wird. Das sollte angeblich schon längst der Fall gewesen sein, aber Drogen machen eben einfach süchtig nach Afghanistan.

Jedenfalls löste es auch noch die völlig sinnlose Aufrüstungsspirale in Westeuropa aus, welche völlig unbegründet war und nur die Rüstungsindustrie mit lukrativen Aufträgen versorgte. Doch dies war der eigentliche Sinn hinter ganzen Unsinn. Noch 1979 herrschte im Verteidigungsministerium auf dem Hardtberg bei Bonn die restlos unbegründete Wahnvorstellung jeden Freitagnachmittag vor, dass die Russen nach dem Dienstschluss in Bonn an der DDR-Grenze losfahren könnten und noch vor uns ihre Panzer vor der Diskothek in Wesseling in Köln einparken könnten. Dabei fehlte es ihnen schon damals am notwendigen Sprit, weil sie uns den zu billig verkaufen mussten und dann selber keinen mehr hatten. Spätestens jedoch, nachdem Franz-Joseph Strauß mit einem geliehenen Lear-Jet und einem Milliardenkredit im Gepäck im Schneesturm vor Moskau fast abgestürzt war, musste einem jeden klar sein, dass der damalige Ostblock erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten hatte. Dennoch herrschte auch bei meinen Bekannten in den neuen Bundesländern noch bis 1993 die Angst vor, dass die Russen wieder zurückkommen könnten.

1989 lief es aber auch in der BRD längst nicht mehr rund und die wirtschaftlichen Probleme waren ganz ähnlich wie heute. Den Banken und vor allem auch der Automobilindustrie fehlte schlicht und ergreifend an der entsprechenden Nachfrage. Doch verglichen mit heute waren das völlig zu vernachlässigende Luxusprobleme. Dennoch wäre ohne den kurzen Boom aus der Wiedervereinigung in Deutschland eine tiefe Rezession vor der Türe gestanden. Nur durch den Fall der Mauer zum genau richtigen Zeitpunkt im November konnte dies verhindert werden. Der November ist der traditionelle dem Monat der geplanten Wirtschaftskrisen. Und weil der November 2019 noch verhältnismäßig jung ist, könnte es noch zu turbulenten Überraschungen kommen. An der Wall Street stehen jedenfalls seit gestern alle Zeichen endgültig auf Sturm bzw. Hurrikan. Nichts ergibt mehr einen längerfristigen wirtschaftlichen Sinn, weil alles untergraben wurde. Auf eine Sandburg am tosenden Meer sollte man sich nicht unbedingt verlassen. 

 

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