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Die zweite Bruchstelle im Finanzsystem

Am 18. September 2019: Die zweite Bruchstelle im Finanzsystem war gestern die US Overnight Repo Rate (das ist der Zinssatz, welchen man bezahlen muss, falls man Staatsanleihen über die Nacht verpfändet), welche auf knapp 10 % anstieg. Dieser Höchstwert wurde in den letzten Jahrzehnten nicht mehr erreicht und ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass ein großes Unternehmen oder auch ein Staat finanzielle Probleme hat. Und weil das für sich alleine nicht schon schlimm genug wäre, hat auch das gestrige Hin und Her bei der amerikanischen Zentralbank FED auch ganz klar gezeigt, dass sie entweder gar nicht mehr wissen was sie tun sollen oder auch gar nicht mehr möchten. Als sie sich endlich für eine Problemlösung entschied, funktionierte diese aber zunächst nicht. Die FED wird in den Leitmedien immer gerne als Retter und allwissend dargestellt, in Wirklichkeit rettet sie aber immer nur ihre Eigentümer und das sind die Banken. Die FED müsste alsbald wieder mit dem Quantitative Easing (QE) oder dem übermäßigen Drucken von Geld beginnen, welches zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht mehr funktioniert und deshalb schon Ende 2014 aufgegeben wurde. In der letzten Finanzkrise war der Zusammenbruch von Lehman der Grund zum damaligen Start von QE. Was wird es dieses Mal sein? Auf jeden Fall bringt eine Neuauflage des QE ganz schnell das Finanzsystem zu Fall.

 

In China sanken gestern jedenfalls schon einmal die Aktienkurse, in Europa lief es an den Börsen gemischt und in den USA konnte ein Absturz des S&P gerade noch verhindert werden. Falls die FED das Repo-Problem jedoch nicht schleunigst löst, dann war es das gewesen. Mit 53,2 Milliarden Dollar stopfte die FED schließlich das Loch im Repo-Markt mit einer QE-Light-Version und jetzt muss man erst einmal in den nächsten Tagen in Ruhe beobachten, wie lange das halten wird. Auf jeden Fall war es die erste Maßnahme dieser Art in diesem Bereich innerhalb dieses Jahrzehnts und es ist absehbar der Auftakt zu größeren Abenteuern auf diesem Gebiet.

 

Als Schlussfolgerung aus dem Erdbeben bei den Quantum-Fonds in der letzten und in dieser Woche bei der Overnight Repo Rate kann man notieren, dass im ersten Fall selbst die Wall Street die ganze Wirtschaftspropaganda tatsächlich noch selbst glaubt und im zweiten Fall, dass die Grenzen der Schuldenaufnahme klar ersichtlich sind. Die Liquiditätsprobleme in den USA hängen auch verstärkt mit der hohen Schuldenaufnahme durch das amerikanische Finanzministerium in Form neuer Staatsanleihen zusammen. In der Vergangenheit funktionierte dieses System relativ gut, weil es irgendwo auf der Welt immer eine boomende Volkswirtschaft gab, welche das alles bezahlte. Insbesondere China half uns noch einmal fast 20 Jahre auf die Sprünge, weil das Finanzsystem bereits 2001 auf der Kippe stand. Doch damit ist es jetzt endgültig vorbei. Ohne ein nennenswertes Wirtschaftswachstum führt jede Ausweitung der Geldmenge in Form von QE ganz schnell in die globale Hyperinflation. Deshalb redete man in den letzten 5 Jahren nur noch davon und tat nichts dergleichen. Doch wann haben Sie letztmals ein Problem ausgesessen und es damit gelöst?

 

Dank der Altcoins wie Ripple und vieler anderer Kryptowährungen mit zweistelligen Wachstumsraten am heutigen Tag, stieg der Gesamtmarkt der Kryptowährungen auf 272 Milliarden Dollar an. Der Bitcoin blieb konstant bei 10.263 Dollar und verlor etwas an seinem Marktanteil mit jetzt nur noch 67,7 %. Der Silberpreis mit 519 Euro pro Kilo und der Goldpreis mit 1.501 Dollar pro Unze, stehen heute wieder unter dem Druck der Banken. Scheinbar haben viele Marktteilnehmer kürzlich ihre Silberbestände zum Höchstpreis von über 550 Euro pro Kilo verkauft und das ist ihnen nach dem Auf und Ab der letzten Jahre beim Silberpreis auch nicht zu verübeln. Solche Edelmetalle sollte man sich nur für Notfälle zulegen und nicht zur kurz- oder mittelfristigen Spekulation. Der WTI-Ölpreis sank gestern schon wieder auf 59,27 Dollar pro Fass ab, weil die Schäden des Drohnenangriffs bereits innerhalb von zwei Wochen zu beheben sind. Wladimir Putin machte gestern deshalb einen Scherz, indem er den Saudis zurief, dass dies mit seinen Abwehrsystemen erst gar nicht passiert wäre. Weshalb sollte der Iran ein derart gefährliches Spiel mit dem Feuer wagen, wenn Saudi-Arabien gar nicht richtig geschwächt wurde? Die weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen des Ölpreisschocks vom Montag sind hingegen noch längst nicht vorbei und sie bringen nachweislich geschwächte Volkswirtschaften innerhalb eines Monats aus dem Gleichgewicht.

 

Spiegel-Online berichtet heute gut versteckt im Newsletter über die Gefahren von Ramsch-Anleihen für unser Finanzsystem und im Wirtschaftsteil sogar über die Selbstversorger, welche angeblich aus dem Finanzsystem ausgestiegen sind und sich in der Einöde allein von den Früchten der Natur und ihrer Arbeit ernähren. Dies ist nicht zur Nachahmung empfohlen, weil es für die allermeisten nicht funktionieren wird. Da muss man nämlich aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt sein. Man weiß also in den Leitmedien durchaus Bescheid über die wirtschaftliche, lässt die Bevölkerung aber weiterhin im VW-Polo mit 160 Sachen schnurstracks auf den Pfeiler einer Betonbrücke zurasen, weil man noch immer von sprudelnden Steuerquellen und prall gefüllten Staatskassen berichtet. Dabei hat die FED gestern viel zu lange gebraucht, um endlich die notwendigen 53,2 Milliarden Dollar aus ihren löchrigen Spendierhosen zu ziehen.

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