Privacy Policy Die erste Zentralbank geht über die Wupper | AG News

Die erste Zentralbank geht über die Wupper

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Der Abstand zwischen der täglichen Propaganda und der wirtschaftlichen Realität ist in unseren Leitmedien in diesem Monat noch einmal sehr viel größer geworden. Die vermeintlichen Probleme im britischen Königshaus werden deshalb in diesem Umfeld höher bewertet, als das finanzielle Wohlergehen der deutschen Bevölkerung. Vom Austritt der Briten aus der EU in 14 Tagen ist überhaupt nichts mehr zu hören oder gar zu sehen. Das wird sich vermutlich aber noch ändern, weil die Welt noch nicht zum Stillstand gekommen ist. Wichtige Nachrichten gibt es zur Genüge, aber sie erreichen uns auf dem klassischen Weg nicht mehr.

Völlig ausgeblendet wurden auch die weltweiten Unruhen, welche aber im Libanon nicht mehr länger verheimlicht werden können. Dort droht im März schließlich der unausweichliche Zahltag, weil das Land fällig werdende Schulden in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen kann. Die libanesischen Bürger können in diesen Tagen an ihren Geldautomaten nur noch maximal 100 Dollar abheben. Man kann zwar in der gleichen Woche noch einmal zum Geldautomaten hingehen, bekommt dann aber nur noch einmal maximal 100 Dollar und dann geht pro Bankkarte finanziell bis zur nächsten Woche überhaupt nichts mehr. Deshalb hat dieses Land gerade die „Woche des Zorns“ hinter sich gebracht, in welcher die Bankfilialen beschädigt wurden und sogar auch die Zentralbank des Libanons demoliert wurde. Wir haben es im Libanon mit der letzten Phase vor dem finalen Zahltag oder auch Währungsreform genannt zu tun. Man kann nicht mehr nach Bedarf sein Geld von der Bank abheben, weil die Zentralbank nichts mehr zu vergeben hat und demnächst wohl Insolvenz anmelden muss. Die nackte Wahrheit unseres Finanzsystems besteht unbekannterweise darin, dass es nur durch die wirtschaftliche Aktivität des jeweiligen Landes gedeckt ist. Geht es der Wirtschaft eines Landes schlecht, dann ist automatisch auch dessen Fiatwährung immer weniger wert.

Der nächste sichere Kandidat für eine weitere erkennbar gescheiterte Währung ist übrigens die Türkei. Um dem innenpolitischen Druck durch zu hohe Zinsen zu entgehen, hat Staatspräsident Recep Erdogan seine Zentralbank in dieser Woche wieder dazu genötigt, die Leitzinsen zu senken. Normalerweise sollte man in den Zeiten einer sich entwertenden Währung zwar genau das Gegenteil tun, aber auch dies wäre kein sicheres Allheilmittel. Ist der Ruf einer Währung erst einmal ruiniert, dann zeigt uns dieses Beispiel der Türkei, dass man dann ganz ungeniert die Zinsen senken kann, weil ohnehin alles verloren ist. Der Ausgang ist sowohl bei einer Zinserhöhung als auch einer Zinssenkung identisch, nur geht es mit Zinssenkungen viel schneller und auch ganz sicher in den Staatsbankrott. Der Grund besteht darin, dass man solche ungedeckten Währungen nicht mehr ohne einschneidende Maßnahmen für die Bürger in den Griff zu bekommen ist. Eine Zinserhöhung verschafft lediglich noch einen gewissen zeitlichen Vorsprung, damit die Eingeweihten ihre Schäfchen ins Trockene bringen können. Die aktuelle Zinssenkung in der Türkei war in dieser Situation nur eine Brandbekämpfung mittels eines Brandbeschleunigers. Und bei diesem bösen Spiel machen übrigens weltweit alle Zentralbanken eifrig mit.

Die Staatsverschuldung hat in allen Ländern der Welt schon längst unverantwortliche Ausmaße angenommen, aber das ist der eigentliche Auftrag der Zentralbanken in einem Finanzsystem der Raubwirtschaft. In diesem Jahr ist nicht nur im Libanon die große Erntezeit angebrochen, sondern auch in weiteren anderen Ländern der Welt. Es muss alsbald eine Währungsreform durchgeführt werden, sonst kommt es zu einem unkontrollierten Zusammenbruch des Finanzsystems, welcher die jetzigen Machtverhältnisse dramatisch verändern würde. Ein Barometer des amerikanischen Schuldenmarkts ist der Repo-Markt, welcher am 16. September komplett aus den Fugen geriet. Er sollte sich laut den Genies der FED bis zum Ende des vergangenen Jahres wieder beruhigt haben, tat dies aber bis dato nicht. Ganz im Gegenteil nahm er in dieser Woche weiter Fahrt in Richtung der Klippen auf, weil die amerikanische Zentralbank FED ihre Geldspritzen erhöhen musste. Doch auch sie hat nur noch verhältnismäßig wenig Munition, welche höchstens noch bis zum April ausreichen wird. Das ist jedenfalls die Ansicht der Bank Morgan Stanley. Man kann es aber leicht ausrechnen, weil die FED nur einen begrenzten Kreditrahmen oder salopp Dispo hat. Der wurde nach der ersten Finanzkrise voll ausgeschöpft und ist deshalb allgemein bekannt. Weil die FED aber pro Monat immer mehr abheben muss, ist der April wohl noch zu optimistisch geschätzt. Mehr erfährt man aber garantiert ab dem 1. Februar in unseren tollen Leitmedien.

Selbst hier im beschaulichen Radolfzell am Bodensee ist plötzlich einiges finanziell aus dem Ruder gelaufen. Vor Weihnachten war es nur eine kleine Schieflage und heute wurden endlich die Zahlen auf den Tisch gelegt. Es fehlen 2 Millionen Euro im Haushalt und die müssen jetzt durch eine Steuererhöhung eingetrieben werden. Die Gewerbesteuereinnahmen brachen bereits 2018 um über 30 % ein, wurden jedoch nicht an die große Glocke gehängt. Schließlich wurde damals ja noch das Märchen von den sprudelnden Steuereinnahmen lauthals verkündet. Aber auch dies war leicht zu entzaubern, weil man die falsche (zu niedrige) Inflationsrate in Abzug brachte. Der Zuwachs bei den Steuereinnahmen war schon damals derart gering, dass es mit sprudeln überhaupt nichts mehr zu tun hatte. Man muss deshalb kein Prophet sein, um weitere Haushaltslöcher in nächster Zeit überall im Land zu sehen. Der Schweizer Käse hat im Vergleich dazu deutlich weniger Löcher als die Haushalte von Bund, Länder und Kommunen in diesem Jahr. Wer will da schon noch Oberbürgermeister in Stuttgart werden, denn bekanntlich fressen den Letzten die Hunde.

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