Privacy Policy Evo Morales stürzte in Bolivien über Lithium | AG News

Evo Morales stürzte in Bolivien über Lithium

Zunächst sah die Absetzung von Evo Morales durch das Militär wie einer dieser üblichen Militärputsche in Südamerika aus, doch in Wirklichkeit verhält sich wieder einmal alles komplett anders und außerdem führt eine Spur in diesem Fall sogar bis nach Deutschland. Deshalb wurde diese Angelegenheit in unseren Leitmedien nur beiläufig und ohne Hintergrund-Reportagen besprochen.

Der Putsch des Militärs in Bolivien diente absehbar nur dazu, eine für die Ziele ausländischer Unternehmen gefügige Regierung ins Amt zu bringen und eine wirtschaftspolitisch richtige Entscheidung des früheren Präsidenten Evo Morales zu korrigieren. Er hatte nämlich eine Vereinbarung mit einem deutschen Unternehmen über die Erschließung von Lithium-Vorkommen in diesem Land rückgängig gemacht. Lithium ist nämlich künftig von noch größerer Bedeutung. Augenblicklich findet es hauptsächlich in den Batterien der Mobiltelefone seine Anwendung, aber künftig eben auch in Elektroautos. Es geht also wieder einmal um sehr viel Geld und dann wird es immer sehr gefährlich, falls man gerade in der Schusslinie steht. Trotzdem gehört das bolivianische Lithium ganz klar der dortigen Bevölkerung und keinen internationalen Konzernen. Der Putsch war der Höhepunkt einer Kampagne, welche einige Tage zuvor mit Protesten der Rechten gegen die linke Regierung begannen. Eigentlich müsste dieser Fall allein schon deshalb ganz oben in der Prioritätenliste unserer Leitmedien stehen, weil sie doch gegen alles aus der wirklich rechten Ecke sein sollten. Aber das ist nicht der Fall und deshalb sollte man sich das unbedingt merken. Jedenfalls ist die Anführerin der rechtsgerichteten Partei “demokratische Einheit” Jeanine Anez jetzt rein zufällig auch die neue Übergangspräsidentin bis zu den nächsten Wahlen. Wetten, dass sie dann auch gewählt wird?

Am 4. November kündigte Präsident Evo Morales nicht unbegründet den Vertrag mit ACISA vom Dezember 2018. Denn zuvor kam es zu wochenlangen Protesten unter der Bevölkerung in dem vom Lithium-Abbau bedrohten Gebiet von Potosi. In dieser Region lagern angeblich sehr große Vorkommen von Lithium. Unter vielen anderen ist natürlich auch Tesla ein Kunde von ACISA, dessen Aktien nach dem Putsch in Bolivien deutlich anstiegen. Ohne den qualifizierten Nachschub von Lithium-Batterien ist künftig jeder Hersteller von Elektroautos kaum etwas wert. Das ist übrigens zugleich das größte Problem der europäischen Elektroautoproduzenten, welche dies noch nicht berücksichtigt haben. Deshalb besitzen die asiatischen Hersteller von Elektroautos bis zum jetzigen Zeitpunkt noch einen klaren strategischen Vorteil. Bloomberg schrieb schon 2018, dass Bolivien im nächsten Jahrzehnt in dieser Beziehung sehr wichtig werden würde. Die Nachfrage nach Lithium wird sich bis 2025 vermutlich verdoppeln, falls die Autofahrer mitmachen. Diese weichen und leichten Mineralien werden bislang hauptsächlich in Australien, Chile und Argentinien abgebaut. Bolivien hat ziemlich viel davon. Scheinbar 9 Millionen Tonnen warten nur darauf, gefördert zu werden. Es wäre damit das zweitgrößte Vorkommen auf diesem Planeten. Aber bislang gab es keine Möglichkeit zum Abbau von Lithium und dessen Vermarktung. Die Kündigung des Vertrags mit ACISA ermöglichte neue Neuverhandlungen mit diesem Unternehmen, bei welchen lediglich mehr von der Wertschöpfungskette hätte in Bolivien bleiben sollen oder im Extremfall die Verstaatlichung dieses ganzen Unternehmenszweigs. Das wird nach dem absehbaren Ende der Raubwirtschaft künftig der Fall sein. Förderung und Weiterverarbeitung der Rohstoffe im gleichen Land sind umweltfreundlicher. Außerdem schaffen sie eine gleichmäßigere Verteilung des Wohlstands auf dieser Welt. Telesur berichtete schon im Juni 2019 darüber, dass die Regierung Morales sich bereits entschlossen hatte, Bolivien zu industrialisieren und Lithium nur in der verarbeiteten Form zum Beispiel als Batterie exportieren wollte. Dies hätte der Bevölkerung dringend benötigte Arbeitsplätze gebracht, welches durch die Rechten vereitelt wurde.

Wie das nun mit der Industrialisierung in Bolivien weitergeht, kann man sich in der real existierenden Raubwirtschaft gut vorstellen. ACISA gab sich jedenfalls in einem Interview mit der Deutschen Welle sehr optimistisch, was den weiteren Verlauf ihres Vorhabens betrifft. Aber angesichts einer sich laufend verstärkenden Weltwirtschaftskrise, wird wohl eher ein lachender Dritter diesen Deal machen und das sind absehbar die Chinesen. Sie unterstützen mit ihrer neuen Seidenstraße die Weiterverarbeitung in den Förderländern, weil der anschließende Handel mit diesen Waren lukrativ genug ist. Putin hält sich jedenfalls vorerst alle Optionen offen und hatte deshalb die neue Präsidentin anerkannt. Zu bedeuten hat das jedenfalls nicht sehr viel.

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