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Italien schlittert in seine nächste große Wirtschaftskrise

Letzte Woche musste die Koalitionsregierung in Rom ihr prognostiziertes Wirtschaftswachstum von ursprünglich 1,0 auf 0,2 % reduzieren. Das wäre die absehbar schwächste Wachstumsrate in der EU aber damit vermutlich die genaueste Vorhersage in diesem Jahr, weil sich das Wirtschaftswachstum spätestens im zweiten Halbjahr in allen Ländern dramatisch nach unten entwickeln wird. Nach bereits zwei Quartalen im zweiten Halbjahr 2018 mit negativem Wirtschaftswachstum befindet sich Italien ohnehin auf dem direkten Weg in die Rezession. Wer unter diesen Umständen noch 1 % Wachstum für dieses Jahr in Italien veranschlagte, musste ohnehin nicht ganz bei der Sache gewesen sein. Und weil man deshalb den Haushalt 2019 mit einem Prozent Wachstum kalkuliert hatte, wird sich absehbar wieder ein Streit mit Brüssel über die Neuverschuldung entwickeln. Die erwarteten Einnahmen werden nicht stattfinden und deshalb muss man sich in Rom wieder einmal zusätzlich verschulden.

Italien schiebt mit 2,14 Billionen Euro ohnehin den zahlenmäßig höchsten Schuldenberg in Europa vor sich her. Im Verhältnis zur jährlichen Wirtschaftsleistung befindet man sich aber nur auf dem zweiten Platz hinter Griechenland. Die wirtschaftlichen Wurzeln dieser Misere reichen weit bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Wenn man ganz gründlich analysieren möchte, dann reicht es sogar wie bei uns in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurück. Aber das würde diesen Artikel bei weitem sprengen. Italien besitzt wirtschaftlich eine klare Zweiteilung in einen etwas besser industrialisierten Norden und einen fast rein landwirtschaftlichen Süden. Es gibt zwar keinen rationalen Grund, weshalb ein paar Beamte in Brüssel, welche nicht einmal einen eigenen Garten besitzen, darüber entscheiden sollten, was wo in welcher Menge in Europa angebaut werden sollte. Das hat noch nie funktioniert (Butterberge und Milchseen) und es wird auch niemals funktionieren. Aber das ist genau der Grund, weshalb es in Brüssel gemacht wird. Es wird dort noch immer vorgeschrieben, wer was wohin landwirtschaftlich etwas exportieren darf und genau das machte die Landwirtschaft in Italien kaputt. In Griechenland ist es noch schlimmer, weil man dort kein reiches Hinterland auf dem Balkan vorfindet. In Italien kann man immerhin noch seine landwirtschaftlichen Produkte selbst nach Deutschland karren und dort an der Straße verkaufen. Würde man diesen Unsinn in Brüssel beenden, sähe es in der Landwirtschaft der Südländer bald wieder besser aus. So aber werden Orangen aus Israel oder Brasilien in die EU importiert, anstatt sie aus Sizilien zu beziehen.

In Brüssel bezeichnet man ein solches Vorgehen sogar auch noch als Klimaschutz, weil in Italien weniger Orangen angebaut werden, aber ich bezeichne das lediglich als eine kommunistische Planwirtschaft. Wir haben es mit einer faulen und dummen Oberschicht zu tun, welche in den letzten Jahrhunderten alles daran setzte, den Wettbewerb zu vermeiden, damit sie in Ruhe ihr Geld verdienen können. Mit mehr Wettbewerb würde sich überall auf der Welt alles relativ rasch wieder verbessern. Der Euro war zwar einer der letzten Sargnägel für Südeuropa, aber selbst mit einer eigenen Währung ginge es Italien nicht wesentlich besser. Das wäre lediglich ein Kurieren der Symptome und was wir nicht nur dringend in Europa, sondern überall auf der Welt bräuchten, wäre eine Kernsanierung mit der Auflösung der EU und die Entflechtung der europäischen Großindustrie. Was sich wie ein frommer Wunsch anhört, ist aber lediglich ein Blick in die nähere Zukunft. Die Welt verändert sich durch die neuen Technologien unaufhaltsam und dagegen können die alten Industrien nicht mehr sehr viel unternehmen.

Italien ist längst ein Sanierungsfall, doch man überließ das wie immer dem italienischen oder in Griechenland in erster Linie dem griechischen Volk. Es konnte die Wirtschaftsmisere ausbaden und weil das allein schon ein Grund zum Aufbegehren war, bürdete man ihnen auch noch eine völlig unnötige Flüchtlingskrise auf. Nachdem man das alles in Italien angerichtet hatte, ließ man gnädigerweise zwei neue Parteien an die Macht, weil sie keine echte Chance mehr hatten, die Karre aus dem Dreck zu ziehen. In einer sich weltweit abschwächenden Konjunktur kann man ohne grundlegende Eingriffe in die Rahmenbedingungen nichts mehr ausrichten. Und wer in einer solchen Situation nicht selbst handelt, der wird schließlich behandelt. Wir befinden uns in der zweiten Krise nach 2012 und in den Leitmedien ist dieses Mal kaum etwas darüber zu lesen. Es gibt kein Krisenmanagement mehr, weil man ganz oben fest daran glaubt, das Problem mit einer Währungsreform rasch lösen zu können. Das war früher zwar immer der Fall, aber der Krug geht nur noch so lange bis zum Brunnen, bis er bricht. Und das Fass ist einfach randvoll.

Die Krise in Italien kann sich nur noch verschlimmern und in allen anderen Ländern Europas wird es sich ähnlich verhalten. Man kann diese Tatsache verleugnen und dann eines Tages böse überrascht werden oder man kann etwas dagegen tun und sie für sich selbst nutzen. Man muss nur die aktuelle Ruhe in den Leitmedien beobachten, welche nur noch Nachrichten vom Boulevard verklappen. Das wird nicht ewig anhalten. Die Zinsen für die italienischen Staatsanleihen werden wie 2012 bald wieder ansteigen. Damals erreichten sie die 7 %. Einsparungen sind mit der neuen Regierung in Rom nicht zu machen, weil sie dann gleich einen Revolver in den Mund stecken könnten. Bei den italienischen Banken handelt es sich um astreine Zombies und die meisten italienischen Schulden werden von den französischen Banken gehalten. Das sind keine besonders guten Aussichten, weil es in Paris inzwischen auch im übertragenen Sinn brennt.

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