Privacy Policy Milliardäre werden in Saudi-Arabien oft ausgeraubt | AG News

Milliardäre werden in Saudi-Arabien oft ausgeraubt

Im November 2017 wurden bekannte Prinzen, Minister und Geschäftsleute in Saudi-Arabien festgesetzt, nachdem Kronprinz Mohammed bin Salman wenige Wochen zuvor ein Anti-Korruptions-Komitee gegründet hatte. Unter den Inhaftierten befand sich auch der reichste Mann Saudi-Arabiens, der Milliardär Prinz Al-Waleed bin Talal. Er wurde zwar standesgemäß im Ritz-Carlton in der Hauptstadt Riad festgehalten, aber er durfte erst Monate später wieder gehen, nachdem einen nicht genannten Betrag an das saudische Finanzministerium überwiesen hatte. Während dies der Kronprinz nach außen hin als eine Aktion gegen die Korruption verkaufte, war es in Wirklichkeit eine Art von Erpressung, weil man zu jener Zeit ein Haushaltsloch in Saudi-Arabien zu stopfen hatte.

Und weil es damals ausnehmend gut funktionierte, möchte man auch zwei Jahre später an dieser Tradition festhalten. Nur dieses Mal geht es nicht um das Stopfen von Haushaltsdefiziten, sondern um die gezielte Suche nach Investoren für den anstehenden Börsengang von Aramco. Folglich befindet sich der dickste Fisch namens Prinz Al-Waleed bin Talal erneut im Fadenkreuz der Schergen, welcher übrigens der größte Kapitalgeber vom Kurznachrichtendienst Twitter ist. Wie bei Bloomberg zu lesen war, begannen nur einen Tag nach der Zusage der Chinesen zur Investition von 5 bis 10 Milliarden Dollar in Aramco schon wieder die zermürbenden “Verhandlungen” mit den Reichsten im Lande, damit diese sich entsprechende Aktienpakete zulegen. Denn bis dato liegt abgesehen von den Chinesen kein einziger Hauptinvestor vor. Die Ansage aus Riad war deshalb klar und unmissverständlich: Entweder ihr investiert in Aramco oder ihr verbringt schon wieder Sonderurlaub im Ritz-Carlton in Riad. Zu den angesprochenen Reichen gehörte unter anderem die Olayan-Familie und natürlich Prinz Al-Waleed bin Talal sowie andere weniger bekannte Namen aus Saudi-Arabien. Und weil sie allesamt keine ausgeprägte Lust auf Sonderbehandlungen à la Kashoggi haben, sagten die Oberhäupter aus der Olayan-Familie (welcher ein Großteil der Credit Suisse gehört) gleich pauschal ein paar hundert Millionen US-Dollar für Aramco mündlich zu. Auch Prinz Al-Waleed bin Talal, welcher die Speisekarte im Ritz Carlton in Riad bereits zur Genüge kennt, ging dieses Mal gleich von sich aus auf die Regierung zu und kündigte seine Investitionsbereitschaft zum Börsengang an.

Nach Bloomberg haben noch zahlreiche andere Reiche in Saudi-Arabien diese dringende Botschaft vernommen. Die Verantwortlichen von Aramco erwarten deshalb auch von der wohlhabenden Almajdouie-Familie ein gewisses finanzielles Entgegenkommen, deren Geschäfte den Vertrieb von Hyundai-Fahrzeugen in Saudi-Arabien und auch ein Logistikunternehmen umfassen. Sie klopften ferner auch schon beim Al-Turki Clan an, der im Immobilienmarkt, dem Großhandel, dem Lebensmittelvertrieb und  in den Häfen des Landes engagiert ist. Obwohl selbst Bloomberg zugeben muss, dass diese Absichtserklärungen noch lange keine Garantie für einen erfolgreichen Börsengang darstellen. Doch unter dem massiven Druck der eigenen Regierung werden sie rasch einknicken und alles selbst zu Höchstpreisen kaufen. Kronprinz Mohammed bin Salman ist noch immer der Meinung, dass Aramco 2 Billionen Dollar wert ist. Westliche Fondsmanager sehen den Wert zwar eher bei einer Billion oder auch darunter, je nachdem wie sich der Ölpreis noch entwickelt. Doch der gibt sich im Gegensatz zu den saudischen Milliardären ganz entspannt.

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