Privacy Policy Nach der Deutschen Bank ist auch Daimler in der großen Krise angekommen | AG News

Nach der Deutschen Bank ist auch Daimler in der großen Krise angekommen

Was uns gestern so überraschend präsentiert wurde, hat eine ziemlich lange Vergangenheit. Deshalb lohnt sich ein Blick in die jüngere Geschichte dieses Unternehmens. Ich selbst habe meinen Führerschein übrigens 1978 auf einem Mercedes-Benz W124 (im obigen ist der Kombi davon zu sehen, der W123) gemacht, welches damals sicherlich technisch eines der besten Fahrzeuge auf der ganzen Welt war. Ich habe ihn zu Beginn ein paar Mal abgewürgt. Nicht umsonst fährt der Bergdoktor aus der gleichnamigen Fernsehserie noch immer genau dieses Modell. Es war der Inbegriff der Marke Mercedes-Benz in Sachen Qualität, Design und Fahrverhalten. Die Geschmeidigkeit der Gangschaltung im W124 haben bis heute andere vergleichbare Marken bis heute nicht erreicht. Von der Langlebigkeit ihrer Fahrzeuge ganz zu schweigen. Der W124 ist heute noch ein belastbarer und flotter Oldtimer, welcher hin und wieder noch auf den Straßen zu sehen ist. Und von einem solchen Werdegang können die meisten Mitbewerber in dieser Liga später nicht einmal mehr träumen. Die heutigen Daimler mit wenigen Kilometern stehen heute schon auf einem Parkplatz gegenüber vom Mercedes-Benz-Museum herum und vergammeln. Womit wir beim Thema angelangt wären.

 

Der große Niedergang der Marke Mercedes-Benz begann spätestens in den neunziger Jahren mit der Fusion von Chrysler und diese Entscheidung hat mittlerweile das Unternehmen völlig entkernt. Es brachte eine Unternehmensphilosophie in das Unternehmen, welche man kurz und bündig mit “nach mir die Sintflut“ zusammenfassen kann und den es bis heute nicht mehr loswurde. Diese Einstellung ist ein weit verbreitetes Symptom des neuen Jahrtausends und nicht allein auf Daimler begrenzt. Alle deutschen Automobilbauer bzw. alle westlichen Unternehmen leiden unter dieser auszehrenden Krankheit, welche man nur mit einer absichtlichen Ziellosigkeit des Managements und seiner Mitarbeiter erklären kann. Zu Beginn der achtziger Jahre lernte ich noch zwei Brüder an der Universität Hohenheim kennen, welche im Studium schon lichterloh für die Marke Mercedes-Benz brannten. Das ließen sie bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit durchblicken. Sie müssten heute längst auf den Führungsebenen dieses Unternehmens angekommen und vermutlich inzwischen völlig ausgebrannt sein. Solche Leute findet man heute nicht mehr vor. Sie wurden alle durch Zombies ersetzt. Eine Informantin aus Studienzeiten versorgte mich noch zu Beginn dieses Jahrzehnts mit Informationen aus dem Daimler-Konzern, welche man in aller Kürze wie folgt, zusammenfassen kann: Man wunderte sich selbst auf den unteren Managementebenen darüber, dass überhaupt noch fahrende Autos das Fließband verließen. Die Generation der Fernsehserie “Dallas”, welche übrigens die beste Werbung für die Autos der Marke Mercedes-Benz machte, brachte die Intrigen in dieses Unternehmen und machte es von innen heraus systematisch kaputt.

 

Während die Modelle in den heutigen unteren Preisklassen von Mercedes-Benz zum Einstieg der jüngeren Konsumenten in diese Marke noch ganz flott aussehen, kann man das seit dem Flop mit der dicken S-Klasse in den oberen Preissegmenten beim besten Willen nicht mehr erkennen. Zu Beginn der achtziger Jahre erreichte das Design der Marke Mercedes-Benz ihren Höhepunkt und es gab deshalb für die Produzenten der Fernsehserie “Dallas” keine schöneren Fahrzeuge für ihre Hauptdarsteller. Selbst BMW kam damals noch mit einem 5er um die Ecke, welchen wir damals als “Fiver Brick” bezeichneten oder den fahrenden Ziegelstein aus München. Mit “Bricks” bezeichneten die Australier damals eigentlich die Volvos, aber auch die amerikanischen Limousinen waren in jenen Zeiten noch ziemlich kantig und unansehnlich. Man muss dazu nur einmal den ersten Teil des Kinoklassikers “Die Hard” mit Bruce Willis anschauen und dann glaubt man gar nicht mehr, wie hässlich die achtziger Jahre auf den amerikanischen Straßen aussahen. Die Exporterfolge von Mercedes-Benz, welche man bei Betriebsbesichtigungen 1984 gerne zu sehen bekam, war der Parkplatz für Neuwagen in Sindelfingen für die USA. Etwa ein halbes Fußballfeld war dabei alleine für die amerikanische Stadt Dallas reserviert. Und das ging in jenem Jahr wöchentlich auf die Reise über den Atlantik. Das waren die großen Zeiten dieser Marke und ich bin stolz darauf, dass ich sie noch erleben durfte.

 

Allerdings kommen diese Zeiten nicht mehr zurück. Der globale Automobilmarkt fällt seit über einem Jahr wie ein Stein zu Boden und daran könnte selbst Daimler in der betriebswirtschaftlichen Verfassung des Jahres 1984 nichts mehr ändern. Wir befinden uns am Ende eines über hundertjährigen Finanzzyklus, welcher buchstäblich keinen Stein mehr auf dem anderen lassen wird. Die bei Daimler erkennbaren Erosionsprozesse haben aus rein systemischen Gründen wie bereits erwähnt alle westlichen Unternehmen befallen von wie Apple oder B wie Boeing bis T wie Tesla oder X wie Xerox, wenn das heute überhaupt noch jemand kennt. Die deutschen Tugenden gingen im Westen verloren und damit auch die deutschen Marken. Das muss man dies endlich zur Kenntnis nehmen und daraus die richtigen Konsequenzen ziehen, was jedoch kein Mensch macht. Deshalb fällt dieser Stein weiterhin ungebremst zu Boden und weil wir nicht einmal seinen Sinkflug mehr richtig berechnen können, werden sich die meisten demnächst wundern, dass dies alles kurz vor Ladenschluss erfolgte und trotzdem keinen auf die Barrikaden brachte. Aber ein sauberer Neuanfang war schon immer die größte Chance und die bekommen wir alsbald.    

 

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