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Negative Zinsen können Wolkenkratzer zur Folge haben

Der dänische Modegigant Bestseller baut an seinem Standort in Brande das höchste Haus Westeuropas und das mitten in der Provinz. Was sich wie ein verspäteter Aprilscherz anhört, ist der blanke Wahnsinn unserer Tage. Obgleich die Firma Bestseller aus dieser Kleinstadt herauswachsen konnte, ist es trotzdem der falsche Standort für ein solches Projekt. Falls es überhaupt noch zu Ende gebaut werden kann, wird es leer stehen. Kleinere Beispiele für solche Heldentaten gibt es auch in Deutschland in der Nähe von Heilbronn und in der Nähe von Stuttgart. Der Firmengründer Anders Holch Povlsen wollte zwar etwas für seine Heimat Jütland tun, doch dieses Projekt wird wohl eher ein Mahnmal für die irren Zeiten zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Er ist mit einem Vermögen von 7,2 Milliarden Dollar der reichste Mann Dänemarks und die Stadtverwaltung von Brande hat mittlerweile die Baugenehmigung erteilt, weil nur noch eine unsinnige Baukonjunktur das wirtschaftliche Kartenhaus in Zentraleuropa zusammenhält. Der Ort hat aber nur 7.000 Einwohner und 1.500 von ihnen arbeiten beim Bauherrn des Hochhauses und dem Chef von Bestseller. Und wegen eines Hochhauses wird niemand nach Jütland kommen. Diese Rechnung würde selbst in guten Zeiten nicht aufgehen.

Der Bau von rekordverdächtigen Wolkenkratzern kommt in der Wirtschaftsgeschichte nur in den Zeiten der Wirtschaftsblasen vor. In solchen Phasen ist das Geld sehr billig oder wie in Dänemark sogar noch weniger wert als sein Nennwert. Bei negativen Zinsen bekommt man für seine Schulden sogar noch Geld, d.h. man müsste nur entsprechend lange warten und dann hätten sich die Schulden von selbst getilgt. Das hört sich nicht nur irre an, sondern es ist schlichtweg verrückt. Der britische Historiker und Buchautor C. Northcote Parkinson machte bei seinen Recherchen die Beobachtung, dass sich Unternehmen oftmals kurz vor ihrem Abgang noch ein architektonisches Wahrzeichen schufen. Das könnte absehbar auch auf die neue Zentrale von Apple in Cupertino zutreffen, weil das Unternehmen in der nächsten Krise vollkommen zerlegt werden wird. In der Vergangenheit war das bereits mit dem Singer Hochhaus und dem Metropolitan Life Insurance Company Tower in New York der Fall. Beide wurden vor der Panik von 1907 begonnen und beide sind heute nicht mehr als unabhängige Firmen existent. Das Chrysler Building wurde 1928 in Angriff genommen, also nur ein Jahr vor dem großen Börsenkrach von 1929 und auch dieses Unternehmen ist nur noch als Marke vorhanden. Das World Trade Center und der Sears Tower wurden vor der Krise von 1973/1974 geplant und gebaut. Das World Trade Center fiel am 11. September 2001 in sich zusammen und Sears hat ebenfalls schon bessere Jahre gesehen. Die Petronas Twin Towers in Malaysia wurden 1996 gerade noch knapp vor der Asienkrise von 1997 fertiggestellt und der Burj Khalifa wurde als letztes Beispiel noch vor der ersten Finanzkrise von 2008 projektiert.

Auch das Hochhaus in Brande wird am Ende eines Zeitraums angegangen, welche schwerwiegende Veränderungen für Dänemark und auch das Unternehmen Bestseller haben wird. Die negativen Zinsen wurden in Dänemark 2012 eingeführt und es gibt kein vergleichbares Beispiel in der Wirtschaftsgeschichte mit einem derart langen Zeitraum ihrer Anwendung. Die dänische Zentralbank namens Nationalbank verzerrte mit ihrer Zinspolitik die Märkte und das wird sich bald rächen. Negative Zinsen verhindern das Sparen, weil man damit laufend einen Teil seiner Ersparnisse verlieren würde. Sie fördern vielmehr die Verschuldung und mangels entsprechender solider Anlagemöglichkeiten mit guter Verzinsung auch die Investition in hochgradig riskante Projekte. Seit 5.000 Jahren hatten wir noch nie für einen Zeitraum von fast 10 Jahren derart niedrige Zinsen. Nur 1930 gab es kurze Zeit ähnlich geringe Zinsen. Dies hängt wieder einmal mit der Einführung der Zentralbanken zusammen, welche mit ihrem wertlosen Papiergeld den einstmals soliden Geldmarkt verwässerten. Bis zu ihrer Einführung 1694 sanken die Zinsen nicht unter 4 % ab. Erst danach ging es fast linear bis 1930 immer weiter mit den Zinssätzen nach unten, weil das Hartgeld nach 1933 weitgehend von den Geldmärkten verschwunden war. Die Zinsnahme für Gold und Silber ist nachvollziehbar und auch gerechtfertigt, für wertloses Papier- oder digitales Geld jedoch nicht. Bei der Zinsnahme für wertloses Geld handelt es sich klipp und klar um Betrug.

Wir befinden uns in der heutigen Zeit in der Endphase eines Kreditzyklus, welcher sehr bald zu Ende gehen wird. Danach müssen alle Preise wieder neu nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage neu ermittelt werden. Dies wird zu einem jähen Erwachen aus diesem irren Traum führen und nichts wird dann mehr so sein wie früher. Hochhäuser sind dann völlig nutzlos, weil man darin nicht mehr wohnen kann und weil sie vor allen Dingen nicht essbar sind.

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