Privacy Policy Wie Sie die Sommerzeit abschaffen können | AG News

Wie Sie die Sommerzeit abschaffen können

Mit der Sommerzeit kenne ich mich ziemlich gut aus, weil ich gerade im zweiten Semester war, als sie 1980 erstmals eingeführt wurde. Anfang 20 schaffte die jährliche Umstellung zumindest bei mir keine Probleme, doch dies änderte sich mit dem zunehmenden Alter, besonders jenseits der 40, immer mehr. Der persönliche Umstellungsprozess auf die unterschiedlichen Zeiten wurde im Frühjahr und Herbst immer länger, bis er mir irgendwann viel zu lang wurde und ich handeln musste. Wenn man im Herbst bis Weihnachten braucht, bis alles mit dem Schlaf wieder einigermaßen im Lot ist, dann ist Gefahr im Verzug. Es musste also etwas unternommen werden und das war im Nachhinein betrachtet derart einfach, dass ich es hätte schon viel früher machen sollen.

Doch zunächst einmal zurück zur Geschichte der Sommerzeit, welche uns damals wie heute als eine Maßnahme zur Energieeinsparung verkauft wird. Wie das in der Praxis jedoch wirklich funktionieren soll, wurde scheinbar wie so vieles in der Politik nicht richtig durchdacht, weil eine zeitliche Verlagerung des persönlichen Wachzustands oder Zeitfensters rechnerisch einfach nichts bringt. Was morgens und abends an der Beleuchtung im Hochsommer eingespart wird, geht in den Übergangszeiten im gleichen Umfang wieder verloren. Es ist ein sinnloses Nullsummenspiel des Energieverbrauchs und deshalb wurde es vermutlich auch gemacht. Eine Schnapsidee par excellence, welche wohl weiterhin ohne Ende durchgeführt wird. Wer an der Befragung in diesem Frühjahr teilgenommen hat und ehrlich daran glaubte, dass dieses Schauspiel beendet werden würde, der sollte einmal ernsthaft über seine übertriebene Leichtgläubigkeit nachdenken.

Was wirklich unter der Zeitumstellung leidet, das ist die Gesundheit der Bevölkerung und auch der Tiere in der Landwirtschaft. Und dieser Gesamtschaden steht ohne Frage in keinem Verhältnis zur ohnehin nicht eingesparten Energie. Jeder kennt die negativen Folgen des Jetlags aus irgendwelchen Reisen rund um die Welt. Sie beeinträchtigen die ersten Tage im Urlaub zum Teil erheblich und man sollte sie deshalb nicht künstlich durch unnötige Zeitumstellungen in der eigenen Heimat herausfordern. Hinzu kommt ein generelles Schlafproblem der deutschen Bevölkerung, welches ebenfalls im Verlauf des Lebens zunimmt und durch die Zeitumstellungen verschlimmert wird. Dieses durch eine ungesunde Lebensführung verursachte Schlafproblem wäre an sich schon ein großer wirtschaftlicher Schaden und man hätte ihn nicht noch zusätzlich durch eine Sommer- und Winterzeit vermehren müssen. Aber damit nähern wir uns schon langsam der Lösung, denn die meisten Menschen beachten nicht einmal die wichtigsten Grundregeln für einen gesunden Schlaf. Die wichtigste davon ist die, dass der gesündeste Schlaf oder auch der Schönheitsschlaf vor 24 Uhr erfolgen sollte. Wer das berücksichtigen kann, der hat schon sehr viel gewonnen. Bei Schichtarbeit geht das natürlich nicht und deshalb ist diese Form der Arbeit auch so ungesund.

Die einfachste und erfolgreichste Methode im Selbstversuch war bei mir zugleich auch die naheliegendste: Ich habe einfach den Einschlafzeitpunkt konstant gehalten und damit natürlich sofort die Schlafstörungen in der Umstellungszeit beseitigt, überraschenderweise aber auch die anderen Schlafstörungen aus dem vergangenen Jahr, welche zuvor nicht in diesem Umfang auftauchten. Ich kann deshalb in meinem Fall nur daraus schließen, dass sich die Schlafstörungen durch die Zeitumstellungen im Lauf der Zeit multiplizieren und verselbständigen können. Sie können dabei sogar chronisch werden, weil bei einer Anpassungszeit von mehreren Monaten eine permanente Anpassungszeit mit allen daraus resultierenden Schlafproblemen entstehen kann. Denn in den Anfangszeiten ging die Sommerzeit nur bis Ende September und meine Probleme begannen erst allmählich nach der verlängerten Sommerzeit Ende Oktober, welche erst später eingeführt wurde. Auch dies war eine typische politische Entscheidung: Funktioniert nämlich etwas garantiert nicht, dann wird es sogar noch ausgeweitet. Die Einschränkungen durch eine ganzjährig konstante Einschlafzeit sind übrigens total überschaubar, weil es nichts gibt, was sich dem nicht zeitlich unterordnen könnte. Wer sich also etwa bei seiner Einschlafenszeit vom mittlerweile völlig toten linearen Fernsehen abhängig machen sollte, der hat absehbar ein richtig großes Problem vor sich stehen.

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