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Wie wird man Schauspieler bzw. Schauspielerin?

Als unbekannter Außenseiter ohne gute Kontakte im Filmgeschäft wird der Einstieg in den Beruf des Schauspielers garantiert sehr schwierig werden. Wie diverse Beispiele aber immer wieder zeigen, ist es aber trotzdem nicht gänzlich unmöglich. Man sollte sich dabei aber nicht auf sein Glück und den Zufall verlassen, sondern es einfach nur gut planen und es sich erarbeiten. Das wird zwar einige Jahre in Anspruch nehmen, aber es wird früher oder später von Erfolg gekrönt sein. Schließlich will man nicht nur eine lohnende Erfahrung für sein späteres Leben machen, sondern sich etwas aufbauen. Trotzdem sollte man die Gefahren dieses Berufsfelds nicht aus den Augen verlieren.

Castings

Auf die seit der Jahrtausendwende üblichen Castings für Fernsehshows sollte man tunlichst verzichten, weil sie nur der Massenbelustigung und der Selbsterniedrigung dienen. Sicherlich kann man unter dieser Prämisse eine solche Veranstaltung über sich ergehen lassen, aber selbst im Erfolgsfall ist das kein Ticket für eine nachhaltige Laufbahn im Unterhaltungsgeschäft. Es handelt sich dabei immer nur um einen Durchlauferhitzer und diese einmaligen Erfolgserlebnisse sind keine Grundlage für eine längere Karriere. Schließlich sollte man in dieser Zeit das Geld für den Lebensabend verdienen und das erreicht man nicht in ein paar Wochen, sondern nur in Jahrzehnten.

Der Fernsehmarkt in Deutschland im Jahr 2019

Wie bei jeder Berufswahl sollte man sich auch in diesem speziellen Fall zunächst einmal den Arbeitsmarkt für Schauspieler bzw. Schauspielerinnen in Deutschland und nicht etwa in Hollywood ansehen. Ähnlich wie in vielen anderen Berufen sieht es auch hier konjunkturell bedingt nicht besonders gut aus. Die besten Zeiten für Schauspieler bzw. Schauspielerinnen in Deutschland waren die acht Wachstumsjahre zwischen 1993 und 2001. In diesem Zeitraum boomte der TV-Markt in Deutschland und es wurden ohne Ende TV-Serien, TV-Spielfilme und Kinospielfilme produziert. Alle Berufe in der deutschen Fernsehbranche profitierten von dem damaligen Wachstum, weil die Nachfrage seitens der damals neuen privaten Fernsehsender gigantisch war. Ich befand mich zu jener Zeit inmitten der Kölner TV-Branche und bekam das alles aus nächster Nähe mit. Doch schon nach der Jahrtausende im Jahr 2001 war der ganze Zauber wieder vorbei und seither ist der TV-Produktionsmarkt in Deutschland wieder rückläufig. Man sieht dies an den wenigen neuen Eigenproduktionen der privaten TV-Sender und den täglichen Wiederholungen auf allen verfügbaren Fernsehsendern. Außerdem sind im Privatfernsehen die Werbeblöcke mittlerweile relativ kurz und die Werbespots zum Teil auch schon uralt. Die in den neunziger Jahren gebauten TV-Studios in Hürth bei Köln stehen seither leer oder werden anderweitig genutzt. Im McDonalds in Hürth konnte in den neunziger Jahren um die Mittagszeit mehr TV-Stars hautnah sehen, als heute in jeder Fernsehshow. Die Zeiten haben sich zu ihrem Nachteil verändert und das diesen linearen TV-Markt für Berufseinsteiger extrem schwierig, weil nur Nachwuchs nachrücken kann, wenn einer der alten Fernsehhelden ins Gras beißt. Doch die geben sich zum Leidwesen der jüngeren Zuschauer sehr zäh und fit.

Die Digitalisierung im Fernsehen hinterließ ihre Spuren

Der Einbruch im klassischen Fernsehen im letzten Jahrzehnt kam nicht von ungefähr, weil die New Economy Phase nicht nur eine Wirtschaftskrise hinterließ, sondern mit Youtube an Weihnachten 2005 auch einen ganz neuen globalen Internet- oder WebTV-Sender. Wie der Name Youtube im Englischen zum Ausdruck bringen sollte, war und ist es eine „Glotze“ für jedermann. Das Programm oder besser gesagt die Videos kamen nicht mehr von Spezialisten (TV-Produzenten), sondern von den Zuschauern. Das war eine Revolution in diesem Bereich mit Vor- und Nachteilen. Youtube brauchte nur wenige Jahre, um das weltweite Fernsehgeschäft zu zerlegen und damit auch den seiner Zulieferer, d.h. den Schauspielagenturen. Sie vermarkten heute auch gerne Youtube-Stars, welche ihren Aufstieg dem neuen Medium und nicht etwa einer fundierten Ausbildung verdanken.

Die klassische Schauspielausbildung

Der klassische Weg sah früher in etwa so aus, dass man zunächst Geld in eine teure und zumindest in Deutschland in eine völlig sinnlose Schauspielausbildung investierte. Wer mehr wollte, der ging zum Beispiel in die berühmte Schule von Lee Strasberg in New York. Eine deutsche Schauspielerin machte das und erzählte mir später, dass eines Tages plötzlich die Türe zum Probenraum aufging und der berühmte Hollywood-Schauspieler Al Pacino interessiert zuschaute. Sie bekam zwar in der ersten Sekunde fast einen Herzinfarkt, aber bevor er den Raum wieder verließ auch ihre erste Rolle. Schließlich würde es fast kein Hollywood-Regisseur wagen, Al Pacino zu widersprechen.

In Deutschland funktioniert es ähnlich. Ich hatte einmal einen Termin in einer der ganzen Schauspielagenturen in Berlin und da kamen auch ständig bekannte Gesichter an meinem Tisch vorbei. Es ist ein reines Geschäft, welches auf guten Kontakten beruht. Nach der Schauspielausbildung muss man in einer großen Schauspielagentur unterkommen und auch dies ist keine Garantie für eine spätere Schauspielkarriere. Der gesamte heutige Fernsehmarkt in Deutschland ist ein absichtlich sehr undurchsichtiges Geflecht einiger weniger Produzenten. Sie bestimmen über die verbliebenen kümmerlichen Reste des einstmalig zweitgrößten Fernsehmarktes der Welt und ohne sehr gute Kontakte bekommt man heute nicht einmal mehr eine Statistenrolle. Die großen Schauspielerdynastien bringen ihre eigenen Kinder entsprechend in dieser Branche in unterschiedlichen Bereichen unter und deshalb bleibt für den Rest des Nachwuchses ohne Kontakte kaum noch etwas übrig. Wer also nicht extrem gut in der deutschen TV-Branche verdrahtet ist und in Hollywood nicht als Sohn von Clint Eastwood auf die Welt kam, der kann diesen Karriereweg getrost vergessen.

Neue Möglichkeiten im Web TV

Deshalb braucht man seinen Berufswunsch aber nicht gleich aufzugeben, sondern man hat heute aufgrund der neuen Medien sogar noch viel bessere Möglichkeiten. Falls man also weiterhin einen gewissen Drang zur Selbstdarstellung verspürt, dann sollte man im 21. Jahrhundert zunächst einen Kanal bei Youtube eröffnen und dann seinen schauspielerischen Talenten freien Lauf lassen. Das ist heute ein viel besserer, schnellerer und auch lukrativerer Weg zu einer Karriere im Unterhaltungsgeschäft. Bleibt aber schon bei Youtube der Erfolg aus, dann sollte man das ganze Projekt vielleicht noch einmal kräftig überdenken. Selbst bei Youtube stellt sich der Erfolg jedoch auch nicht automatisch ein und vor allen Dingen nicht von heute auf morgen. Bei Youtube sind die Wege ziemlich verschlungen und keiner weiß von Anfang an, wo diese hinführen können. Aber bei einer konsequenten Arbeit kommt auf diesem Videoportal auch etwas heraus. Zunächst garantiert nur etwas Kleingeld, aber früher oder später auch etwas mehr. Außerdem muss man bei Youtube nicht suchen, sondern man wird im Laufe der Zeit bei kontinuierlichem Input von anderen gefunden. Und das kann eben mitunter auch eine Rolle sein, selbst wenn es zu Beginn vielleicht auch nur in einem Werbespot ist. Mit steigendem Bekanntheitsgrad werden aber die Angebote immer hochkarätiger.

Trotz schauspielerischen Talents ist aber selbst bei Youtube der Erfolg nicht vorprogrammiert. Falls man diesen Karriereweg erfolgreich beschreiten möchte, sollte man sich auch hier erst einmal überlegen, was man später gerne spielen möchte. Man besitzt hier aber den großen Vorteil, seine Begabung gleich von vorneherein in die richtige Rolle einbringen zu können und nicht umgekehrt. Im ersten Schritt geht es deshalb um die Auswahl des Genres für seine Videos und dabei sollte man den Bereich Comedy wirklich nur dann auswählen, wenn man bereits in der Schule sehr viele Menschen erfolgreich zum Lachen brachte. Denn dieses Marktsegment ist bei Youtube bereits langjährig sehr gut besetzt und ein Seiteneinstieg ist deshalb auch hier bereits sehr schwierig.

Redaktion und Produktion in einer One Man Show

Im nächsten Schritt geht es um die Entwicklung eines eigenen Videoformats, welches man im Erfolgsfall mit kleineren Änderungen über Jahre hinweg produzieren muss bzw. darf. Es muss deshalb eine kleine One Man Produktionsgesellschaft gegründet werden mit Redaktion und Produktion in einer Person. Dies sollte man alles selbst machen, weil es sonst absehbar in eine Kostenfalle führen könnte, weil der finanzielle Return On Investment bei Youtube mitunter weiter in der Zukunft liegt. Man sollte hierzu einen langen Atem mitbringen. Außerdem lernt man ziemlich schnell, dass man ohne entsprechende Texte in der Regel keine vernünftigen Videos produzieren kann. Das sollte einem unbedingt klar sein, bevor man sich weiter mit diesem Gedanken beschäftigt. Im klassischen Fernsehen kannte ich nämlich nur einen Schauspieler, welcher später ein erfolgreicher Produzent wurde. Künstler verfügen in der Regel nicht über eine unternehmerische Ader, weshalb die meisten finanziell schlecht dastehen, obwohl sie viel Geld verdienen.

Ist das erste Video produziert, lernt man ständig dazu (Lernkurve) und wird mit der Zeit immer besser und in der Herstellung auch immer schneller. Zum raschen Aufbau von Reichweiten sollte man nach einer Testphase täglich mindestens ein Video produzieren. Die Erfolge sieht man relativ rasch, wenn man sich ein gutes Konzept erstellt hat. Mit einer gewissen Erfahrung im Rücken kann dies im Idealfall aber schon beim ersten Video geschehen. Normalerweise dauert es aber etwas länger, insbesondere was das Geld verdienen anbelangt. Die Werbeeinnahmen sind bei Youtube erst ab einer gewissen Größe des Kanals von finanzieller Bedeutung. Aber zusammen mit Product Placement oder Influencer Marketing kann man ab einem bestimmten Zeitpunkt ziemlich gutes Geld verdienen.

Nach dem ersten Jahr sollte man auch schon die ersten Erfolge deutlich sehen können, denn zuvor wäre es wie bereits erwähnt eher ein seltener Glücksfall. Nach zwei bis drei Jahren müsste das Geschäft jedoch bei konsequenter Arbeit schon brummen. Je nach der Flughöhe (d.h. den Reichweiten des Portals) sehen dann auch die eintreffenden Angebote immer lukrativer aus, welche man aufgrund seiner Tätigkeit erhält. Im schlimmsten Fall sind es nur die bereits erwähnten Werbeangebote und man verfügt dadurch über ein sehr gutes und unabhängiges monatliches Auskommen, was in der heutigen Zeit auch nicht gerade schlecht ist. Zudem ist man sein eigener Chef und darüber hinaus auch noch in seinem Traumberuf tätig. Was will man also noch mehr?

 

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