Peking hat scharf vor Vergeltungsmaßnahmen gewarnt, nachdem die USA neue, aggressive Sanktionen zur Isolierung des Iran angekündigt haben.
Dies verstärkt die Sorge vor einer erneuten wirtschaftlichen Konfrontation zwischen den beiden größten Mächten der Welt.
Laut einem Bericht des „Telegraph“ erklärte das chinesische Außenministerium, die Beziehungen zu Teheran dürften nicht beeinträchtigt werden, während Washington darauf hinarbeitet, die Islamische Republik von ihren verbliebenen Wirtschaftspartnern abzuschneiden.
Der Sprecher des Außenministeriums, Lin Jian, äußerte diese Kritik am Dienstag, nur wenige Stunden, nachdem das Weiße Haus signalisiert hatte, Staaten bestrafen zu wollen, die weiterhin Geschäfte mit dem Iran tätigen.
„Chinas Beziehungen zum Iran dürfen weder gestört noch untergraben werden“, erklärte Lin.
Er fügte hinzu, Peking „verfolge die entsprechenden Entwicklungen aufmerksam und werde alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die eigenen Rechte und Interessen entschlossen zu wahren.“
Die chinesische Reaktion folgte auf den Start der „Operation Economic Outcast“ durch US-Finanzminister Scott Bessent am Montag.
Die Kampagne zielt darauf ab, den Iran vollständig von der Weltwirtschaft und dem Finanzsystem abzuschneiden.
Unter anderem durch Sekundär Sanktionen, die Länder treffen könnten, die weiterhin Handel mit der iranischen Regierung treiben, dort investieren oder ihr Kredite gewähren.
„Unser Ziel ist es, jede wirtschaftliche Lebensader zu kappen, die dieses tyrannische Regime stützt, bis Teheran isoliert dasteht“, erklärte Bessent.
China zählt zu den wichtigsten Handelspartnern des Iran.
Ein Netzwerk kleinerer chinesischer Raffinerien, sogenannte „Teapots“, kaufte im vergangenen Jahr rund 80 Prozent der iranischen Rohölexporte auf dem Seeweg.
Die beiden Staaten unterhalten eine sogenannte umfassende strategische Partnerschaft.
Das bilaterale Handelsvolumen belief sich im Vorjahr auf etwa 40 Milliarden US-Dollar.
Obwohl die Öllieferungen nach der Schließung der Straße von Hormus zurückgegangen sind, bezieht der Iran weiterhin Maschinen und Technologie aus China und nutzt womöglich chinesische Finanzkanäle, um bestehende westliche Beschränkungen zu umgehen.
Bessent stellte klar, dass auch Peking von den neuen Maßnahmen betroffen sein könnte.
„Niemand ist vor US-Sanktionen gefeit“, sagte er.
„Wer Transaktionen ermöglicht und Teil des Ökosystems ist, das iranisches Öl in Geld und damit in Unterdrückung verwandelt, wird ins Visier genommen.“
Diese Warnung erfolgt zu einem heiklen Zeitpunkt in den Beziehungen zwischen den USA und China.
Präsident Donald Trump hatte einen Großteil des Jahres damit verbracht, die Spannungen abzubauen, nachdem Peking den amerikanischen Zugang zu wichtigen Seltenen Erden und Magneten eingeschränkt hatte.
Im Mai reiste er nach Peking, um die Beziehungen zu verbessern, und für den kommenden Monat ist ein Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Washington geplant.
Bis zu dieser Woche hatten beide Seiten neue Konflikte weitgehend vermieden.
Doch der Druck wächst.
Bloomberg berichtete, dass Trump neue Zölle in Höhe von 7,5 Prozent auf chinesische Waren erwägt, die unter Überkapazitäten produziert wurden.
Am Montag belegte das US-Finanzministerium zudem mehrere in Hongkong ansässige Handels- und Schifffahrtsunternehmen mit Sanktionen im Zusammenhang mit dem Iran.
Ihnen wird vorgeworfen, Teheran bei der Beschaffung sensibler Technologie unterstützt zu haben.
Große chinesische Banken, die dem Iran seit Langem Wege zur Umgehung westlicher Finanz- beschränkungen ebnen, wurden bislang verschont.
Lin plädierte für eine Rückkehr zum Dialog statt zur Konfrontation.
Er warnte, dass Sanktionen „die Spannungen eskalieren lassen, Risiken für andere Bereiche schaffen und die globale Wirtschafts- und Finanzordnung stören“ würden.
Peking hat bereits Instrumente für Gegenmaßnahmen vorbereitet und räumt den Vollzugsbehörden erweiterte Befugnisse ein, um Unternehmen zu sanktionieren, die ausländische Sanktionen befolgen, welche als schädlich für chinesische Interessen angesehen werden.
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