Laut einem Bericht von Yahoo Finance ist das KI-Unternehmen Anthropic in die Kritik geraten, weil es angeblich Millionen physischer Bücher gekauft und vernichtet hat, um seine großen Sprachmodelle zu trainieren.
Das ist eine Praxis, die nun weltweit eine Welle mysteriöser Großbestellungen bei Buchhändlern ausgelöst hat.
Im Rahmen eines gegen das Unternehmen gerichteten Rechtsstreits veröffentlichte Gerichtsdokumente enthüllten eine interne Initiative namens „Project Panama“.
In Planungsunterlagen wurde das Projekt als Versuch beschrieben, „alle Bücher der Welt zerstörerisch zu scannen“.
Dabei wurden riesige Mengen gedruckter Werke beschafft, deren Buchrücken mit Geräten abgetrennt, die Seiten mit hoher Geschwindigkeit gescannt und die Überreste anschließend entsorgt.
Anthropic bevorzugte physische Bücher, da diese sorgfältig verfasste Prosa boten, frei von der „minderwertigen Internetsprache“, die Online-Inhalte durchdringt.
Diese Enthüllungen haben heftige Kritik hervorgerufen.
Manche verglichen die Praxis mit der Zerstörung der Bibliothek von Alexandria oder den Bücherverbrennungen im Dritten Reich.
Ein niederländischer Buchhändler bezeichnete sie als „eine Art Barbarei“.
Ein Leitartikel in der schottischen Zeitung Herald warnte vor einem unwiederbringlichen Verlust:
„Sobald das letzte nicht digitalisierte Exemplar eines Buches geschreddert ist, ist es für immer verloren.
Und die digitalisierte Version ist der Interpretation durch KI ausgeliefert, anstatt eine direkte, getreue Wiedergabe des Werks zu sein.“
Die Kontroverse flammte erneut auf, nachdem eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung von 404 Media detailliert darlegte, wie Maschinen systematisch Buchrücken abschnitten, um Scanner zu bestücken.
Selbst Elon Musk sprach sich öffentlich gegen diese Methode aus und erklärte, er habe sein eigenes KI-Team angewiesen, „seltene Bücher in einer Bibliothek zu bewahren und sie auf die herkömmliche Weise zu scannen, anstatt einfach den Rücken abzuschneiden und sie dann zu scannen.“
Ein Bundesrichter entschied später, dass die Digitalisierung rechtmäßig erworbener gedruckter Bücher als „Fair Use“ (zulässige Nutzung) einzustufen sei, da der Prozess transformativ sei und die physischen Exemplare nicht weiterverbreitet würden.
Dasselbe Urteil befand jedoch, dass die frühere Verwendung von Millionen illegal kopierter digitaler Bücher durch Anthropic rechtswidrig gewesen sei.
Infolge dieser Enthüllungen berichten Buchhändler von einem ungewöhnlichen Anstieg großer, undurchsichtiger Großbestellungen älterer und seltenerer Titel.
Dienste wie ISBNdb, die eine umfangreiche Buchdatenbank betreiben, werden mit der Abwicklung dieser massiven Käufe in Verbindung gebracht.
Oft handelt es sich um Hunderttausende von Bänden pro Auftrag, die unter Geheimhaltungsvereinbarungen abgewickelt werden, welche die eigentlichen Käufer anonym halten.
Händler, die auf seltene und vergriffene Werke spezialisiert sind, berichten von Bestellungen, die kaum ein erkennbares Muster aufweisen, abgesehen vom Vorhandensein von ISBNs.
Dies weckt die Befürchtung, dass die verbliebenen physischen Exemplare seltener Texte in den Trainingsprozessen von Systemen der künstlichen Intelligenz verschwinden könnten.
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