Meta hat still und heimlich Funktionen zur Gesichtserkennung in seine KI-Begleit-App integriert, die die beliebten Smart Glasses des Unternehmens steuert.
Die noch nicht veröffentlichte Funktion, intern als „NameTag“ bekannt, wurde durch eine Analyse des App-Codes entdeckt und ohne öffentliche Ankündigung auf die Smartphones von Millionen Nutzern übertragen.
Die Technologie ist für das Zusammenspiel mit Metas Smart Glasses, etwa Modellen von Ray-Ban und Oakley, konzipiert:
Sie erfasst Bilder über die Kamera des Geräts und gleicht diese mit biometrischen Daten ab, die lokal auf dem Smartphone des Nutzers gespeichert sind.
Bei Aktivierung würde das System den Träger benachrichtigen, sobald eine Person erkannt wird.
Obwohl die Funktion für Endverbraucher noch nicht freigeschaltet ist, sind die Kernkomponenten, darunter KI-Modelle zur Gesichtserkennung, zum Bildzuschnitt und zur Umwandlung in biometrische Signaturen, bereits seit mindestens Januar in der App enthalten.
Dies steht im Widerspruch zu Metas öffentlichen Aussagen, wonach die Idee noch geprüft werde.
Die Meta-KI-App, die für wichtige Funktionen der Smart Glasses erforderlich ist und bereits über 50 Millionen Mal heruntergeladen wurde, enthält das NameTag-System.
Erkannte Gesichter lösen Benachrichtigungen aus, während unbekannte Gesichter verarbeitet und in einem Ordner für „ausstehende“ Einträge (Pending-Ordner) gespeichert werden.
Die Datenbank auf den Smartphones der Nutzer ist so eingerichtet, dass sie Aktualisierungen von Meta-Servern empfangen kann.
In einem Update im Mai wurde die Funktion in der Benutzeroberfläche in „Connections“ umbenannt.
Die Formulierung sollte Nutzer dazu ermutigen, sich „an die Menschen zu erinnern, die sie getroffen haben“.
Diese Entwicklung lässt eine Funktion wiederaufleben, die Meta bereits 2021 eingestellt hatte, als das Unternehmen infolge von Datenschutzdebatten und rechtlichen Vergleichen mehr als eine Milliarde biometrische Gesichtsprofile aus seinem Facebook-System zur Fotomarkierung löschte.
Datenschützer schlagen Alarm und warnen davor, dass die Integration einer solchen Technologie in weit verbreitete Wearables eine invasive Überwachung normalisieren könnte.
„Die Funktion ist für Verbraucher noch nicht zugänglich, scheint aber so gut wie einsatzbereit zu sein“, sagte Cooper Quintin von der Electronic Frontier Foundation.
„Trotz der Milliarden Gründe, die dagegen sprechen, scheint Meta die Voraussetzungen dafür geschaffen zu haben, seine Kunden in eine dezentrale Überwachungsmaschine zu verwandeln.“
Meta hat betont, dass noch keine endgültige Entscheidung getroffen wurde und keine zentrale Datenbank für Gesichtserkennung aufgebaut werde.
Unabhängige Experten, die den Code überprüften, bestätigten das Vorhandensein funktionsfähiger Komponenten und merkten an, dass einer vollständigen Implementierung kaum noch Hindernisse im Wege stünden.
Die Enthüllungen fallen in eine Zeit, in der sich Interessenverbände aus Datenschutzgründen weiterhin gegen die Gesichtserkennung im Verbraucherbereich zur Wehr setzen.