In britischen Geschäften soll die modernste Technologie zur Gesichtserkennung zum Einsatz kommen, welche die Polizei in Echtzeit alarmieren kann

In britischen Geschäften soll die modernste Technologie zur Gesichtserkennung zum Einsatz kommen, welche die Polizei in Echtzeit alarmieren kann

Einem Bericht des „Guardian“ zufolge soll die Leistungsfähigkeit einer umstrittenen Gesichtserkennungstechnologie, die bereits in britischen Geschäften zum Einsatz kommt, erweitert werden: 

Künftig soll die Polizei in Echtzeit benachrichtigt werden, sobald sogenannte Hochrisiko-Personen ein Geschäft betreten. 

Diese Entwicklung hat eine heftige Debatte über Datenschutz, Überwachung sowie das Verhältnis zwischen öffentlicher Sicherheit und Bürgerrechten im Einzelhandel ausgelöst.

Facewatch ist das Unternehmen hinter dem System, das bereits in mehr als 100 Geschäften (darunter große Einzelhändler wie Sainsbury’s, B&M und Spar) genutzt wird.

Es hat Pläne zur Einführung einer wegweisenden Funktion für diesen Herbst angekündigt.

Durch dieses Upgrade wird die Technologie in die Lage versetzt, die Anwesenheit von besonders schwerwiegenden Wiederholungstätern umgehend an die Strafverfolgungsbehörden zu melden.

Die entsprechenden Warnmeldungen sollen dabei durchschnittlich in nur vier Sekunden übermittelt werden.

Nick Fisher, CEO von Facewatch, bezeichnete den Fortschritt als „einzigartige technische Entwicklung“, die darauf abziele, der massiven Kriminalität im Einzelhandel zu begegnen.

 „Keine einzelne Organisation kann das Problem der Kriminalität im Einzelhandel im Alleingang lösen“, erklärte Fisher.

„Regierung, Polizei, Einzelhändler und Unternehmen, sie sie alle spielen keine Rolle bei der Bekämpfung der Kriminalität.

Also jener, die extrem häufig straffällig werdenden Wiederholungstäter, die für einen unverhältnismäßig großen Teil der Straftaten sowie für das Leid verantwortlich sind, das Ladenpersonal, Kunden und unseren Innenstädten zugefügt wird.“ 

Er betonte, dass sich das System gegen Personen richte, die Dutzende oder gar Hunderte von Straftaten begingen, nicht gegen gewöhnliche Kunden.

Bürgerrechtsorganisationen haben eindringlich gewarnt und den Schritt als gefährlichen Weg hin zu einer flächendeckenden Überwachung bezeichnet. 

Charlie Whelton, Referent für Politik und Kampagnen bei der Organisation „Liberty“, äußerte sich besorgt über die fehlende Kontrolle.

„Es ist nicht rechtswidrig, ein Geschäft zu betreten, selbst wenn man in der Vergangenheit Straftaten begangen hat“, sagte Whelton.

 „Die Vorstellung, die Polizei zu rufen, weil man befürchtet, jemand könnte eine Straftat begehen, obwohl noch gar keine vorliegt, stellt unsere gewohnten Abläufe völlig auf den Kopf. 

Und natürlich ist das System nicht unfehlbar. 

Diese Systeme machen Fehler, und es ist äußerst schwierig, sich dagegen zu wehren, wenn man selbst davon betroffen ist.“

Sarah Lasoye, Programmleiterin für den Bereich „Pre-Crime“ (Präventivüberwachung) bei der „Open Rights Group“, warnte davor, dass die Technologie dazu beitragen könnte, Überwachung im öffentlichen Raum zu normalisieren.

 „Im Grunde handelt es sich um einen Eingriff in Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte“, sagte sie.

„Dass Gesichter ohne Zustimmung gescannt und in Listen aufgenommen werden, ist schon besorgniserregend genug.

Doch die Geschwindigkeit, mit der die Facewatch-Technologie eine Konfrontation mit der Polizei mitten im alltäglichen Einkauf ermöglicht, stellt eine wirklich gefährliche Eskalation dar.“

Es liegen bereits Berichte über Fehlidentifikationen vor, bei denen Kunden zu Unrecht beschuldigt und aus Geschäften verwiesen wurden. 

Dies schürt Befürchtungen hinsichtlich Voreingenommenheit und Fehlern, wobei insbesondere Schwarze Menschen und Personen asiatischer Herkunft überproportional häufig betroffen sind.

Aufsichtsbehörden für Biometrie haben darauf hingewiesen, dass die behördliche Kontrolle mit der rasanten Verbreitung der Technologie im privaten wie im öffentlichen Sektor nicht Schritt hält. 

Allein Sainsbury’s plant, den Einsatz des Systems bis Jahresende von 55 auf über 200 Filialen auszuweiten, während Facewatch im ersten Halbjahr 2026 fast 300.000 Warnmeldungen zu bekannten Wiederholungstätern verzeichnete.

Offizielle Zahlen unterstreichen das Ausmaß des Problems: 

Im Jahr bis Dezember 2025 wurden in England und Wales mehr als 509.000 Ladendiebstähle registriert, wobei Einzelhandelsverbände vor zunehmender Gewalt und Diebstahl warnten. 

Dennoch argumentieren Experten, darunter Nuala Polo vom Ada Lovelace Institute, dass das tägliche Scannen von Millionen Gesichtern eine unverhältnismäßige Maßnahme darstelle, zumal weniger eingreifende Alternativen existierten.

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