Die aktuelle Entwicklung am Rohölmarkt ist ein Warnsignal dafür, dass die Energiemärkte nicht mit der Nachfrage Schritt halten können

Die aktuelle Entwicklung am Rohölmarkt ist ein Warnsignal dafür, dass die Energiemärkte nicht mit der Nachfrage Schritt halten können

Laut einem Bericht von MarketWatch zahlen Käufer von Rohöl weltweit mittlerweile deutlich höhere Preise für die sofortige Lieferung eines Barrel Öl, anstatt sich günstigere Kontrakte für eine Lieferung in Wochen oder Monaten zu sichern.

Diese Entwicklung ist ein Warnsignal dafür, dass die Energiemärkte möglicherweise nicht mit der Nachfrage Schritt halten können, insbesondere angesichts der Kämpfe im Nahen Osten, die das Angebot weiter zu verknappen drohen.

Autofahrer in den USA und Europa müssen sich in den kommenden Wochen womöglich auf höhere Spritpreise einstellen, die über dem aktuellen landesweiten Durchschnitt von 4,32 US-Dollar pro Gallone liegen.

Das Allzeithoch lag im Juni 2022 nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, bei knapp 5,02 US-Dollar pro Gallone.

Zwar wirken sich sprunghafte Anstiege der Rohölpreise nicht über Nacht auf die Benzinpreise an der Zapfsäule aus, doch der sogenannte „Prompt Spread“ am Ölmarkt, die Preisdifferenz zwischen Öl zur sofortigen Lieferung und Öl für spätere Monate, deutet darauf hin, dass höhere Kosten für Autofahrer sehr wahrscheinlich sind.

Im Sommer hatte sich dieser Spread verringert, nachdem ein Waffenstillstand und eine kurzzeitige diplomatische Einigung zwischen den USA und dem Iran die Hoffnung geweckt hatten, die schlimmsten Kämpfe könnten vorüber sein.

Inzwischen hat sich die Spanne jedoch wieder vergrößert.

Laut FactSet notierte Brent-Rohöl für die Lieferung im November, der wichtigste globale Referenzkontrakt, am Montag zeitweise bei bis zu 109,80 US-Dollar pro Barrel, bevor der Kurs bei rund 105,30 US-Dollar schloss.

Der Preis für Brent-Öl zur Lieferung im Dezember lag bei etwa 100,54 US-Dollar.

Daraus ergab sich eine Differenz von rund 5,58 US-Dollar pro Barrel, der größte Abstand seit dem 23. Juli.

Der Preis für West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Oktober bewegte sich knapp über 103 US-Dollar pro Barrel, rund 4,79 Dollar über dem Kontrakt für den Folgemonat, und steuerte zudem auf den größten Spread zwischen den beiden Kontrakten seit fast zwei Monaten zu.

Diese Differenz signalisiert wachsende Sorgen hinsichtlich der aktuell physisch verfügbaren Rohölmengen.

Chinas verborgene inländische Lagerbestände sowie eine frühe, drastische Drosselung der Importe während des Iran-Krieges hatten dazu beigetragen, die Preise im Zaum zu halten.

Inzwischen dauert der Konflikt jedoch weit länger an und hat ein weitaus größeres Ausmaß angenommen als ursprünglich erwartet.

Neue Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen haben die Lage weiter verschärft.

Die saudi-arabische Ost-West-Pipeline zum Roten Meer blieb am Montag nach Drohnenangriffen geschlossen.

Gleichzeitig besetzten vom Iran unterstützte Milizen den Hafen von Mocha am Roten Meer sowie eine strategisch wichtige Insel und erreichten damit die Meerenge Bab al-Mandab, jene Route, über die Riad Rohöl transportiert hatte, um die blockierte Straße von Hormus zu umgehen.

Damit stehen nun beide wichtigen maritimen Engpässe unter der Kontrolle des Iran bzw. der Huthi-Rebellen.

„Ein kurzzeitiger Ausfall ist verkraftbar, doch eine längere Stilllegung wiegt schwerer, da sich Rohöl nur bis zu einem gewissen Punkt stauen kann, bevor logistische Engpässe die Produktion einschränken.

An diesem Punkt ist die Situation nicht mehr nur eine Unannehmlichkeit, sondern führt dazu, dass tatsächlich weniger Öl auf den Markt gelangt“, erklärte Stephen Innes, geschäftsführender Gesellschafter bei SPI Asset Management.

Die wachsende Preisdifferenz bei Brent zeige zudem, dass „Käufer zunehmend höhere Preise für Öl zahlen, das sie sofort erhalten können“, fügte er hinzu.

Adam Turnquist, Chefstratege für technische Analyse bei LPL Financial, merkte an, dass es „in keinerlei Hinsicht Fortschritte im Umgang mit dem Iran“ gebe.

Dies schüre Unsicherheit darüber, wie lange der Krieg andauern werde, wann sich die Versorgungslage erholen könnte, wer die Kontrolle über die Straße von Hormus erlangen würde und welche Kosten damit verbunden wären.

Vergangene Woche durchbrach der Brent-Preis die im Sommer erreichten Höchststände von knapp unter 100 US-Dollar pro Barrel und ebnete damit den Weg zu den im Frühjahr verzeichneten Spitzenwerten von über 120 Dollar.

„Ein Bereich zwischen 112 und 125 Dollar für Brent wäre die nächste wichtige Widerstandszone“, sagte Turnquist gegenüber MarketWatch.

„Es gibt zahlreiche Anzeichen, die für ein Aufwärtspotenzial beim Ölpreis sprechen.“

Die US-Aktienmärkte schlossen am Montag mit Verlusten, während die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen nahe der Marke von 5 Prozent notierte, nachdem sie zuvor den höchsten Stand im Handelsverlauf seit Juli 2007 erreicht hatte.

Der Dow Jones Industrial Average gab um 0,3 Prozent nach, während der S&P 500 und der Nasdaq Composite um 0,5 Prozent beziehungsweise 0,6 Prozent fielen.

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