Eine am 24. Juni in der Fachzeitschrift “PLOS Water” veröffentlichte Studie schlägt den Einsatz fortschrittlicher Methoden zur Wolkenimpfung vor.
Unterstützt durch Echtzeitdaten und künstliche Intelligenz, um mächtige Wettersysteme wie Hurrikane zu beeinflussen oder von gefährdeten Gebieten abzulenken.
Die Untersuchung legt nahe, dass die Menschheit kurz davor steht, extreme Wetterereignisse so zu beeinflussen, dass deren verheerende Auswirkungen auf besiedelte Regionen erheblich gemindert werden könnten.
Angesichts der zunehmenden Häufigkeit und Intensität solcher Katastrophen argumentieren die Autoren, dass herkömmliche Schutzmaßnahmen möglicherweise nicht mehr ausreichen.
„Die wachsenden Auswirkungen von Wetterextremen auf die Gesellschaft verdeutlichen, dass traditionelle Ansätze wie Dämme, Deiche und Versicherungen allein womöglich nicht genügen, um den weitreichenden Folgen dieser Gefahren zu begegnen“, erklären die Autoren.
Die Forscher legten dar, wie präzise geplante, kleinskalige Wolken Impfaktionen, durchgeführt bereits Tage im Voraus, den Verlauf und die Intensität bedeutender vergangener Ereignisse hätten verändern können.
So behaupten sie beispielsweise, dass derartige Eingriffe den „Supersturm Sandy“ im Jahr 2012 um rund 480 Kilometer hätten verlagern können, wodurch New York City ein direkter Treffer erspart geblieben wäre.
Ähnliche Ansätze, so legen sie nahe, hätten während der Kältewelle in Texas im Jahr 2021 die Temperaturen um etwa 10 Grad Celsius anheben oder die Niederschlagsmenge eines „atmosphärischen Flusses“ in Kalifornien im Jahr 2022 um rund 5 Prozent verringern können.
Das Konzept nutzt die Kampfkunst Jiu-Jitsu als Analogie für den Einsatz minimaler Kraft bei maximaler strategischer Wirkung.
Studien-Mitautor Upmanu Lall von der Arizona State University erläuterte die Philosophie hinter dem Vorschlag.
„Das Grundprinzip des Jiu-Jitsu besteht darin, mit minimalem Aufwand maximale Effizienz zu erzielen“, erklärte Lall in einer E-Mail an USA TODAY.
„Es beruht auf der Kernphilosophie, dass sich eine kleinere, schwächere Person erfolgreich gegen einen größeren, stärkeren Angreifer verteidigen kann, indem sie Hebelwirkung, richtige Gewichtsverteilung und Schwung nutzt, anstatt auf rohe Gewalt zu setzen.“
Die Grundlage der Idee bildet das sogenannte „Cloud Seeding“ (Wolkenimpfung), eine Technologie, die seit Jahrzehnten vor allem eingesetzt wird, um mithilfe von Substanzen wie Silberiodid Niederschläge zu verstärken oder Hagel zu verhindern.
Neun US-Bundesstaaten wenden dieses Verfahren derzeit an, während andere, darunter Florida, Maßnahmen zur Wetterbeeinflussung verboten oder eingeschränkt haben.
Die Studie betont, dass eine Wolkenimpfung allein nicht ausreichen würde.
Für einen Erfolg wären dichte Beobachtungen in nahezu Echtzeit, ausgefeilte KI-Analysen zur Bestimmung optimaler Eingriffspunkte sowie ein effektives Ausbringungssystem erforderlich.
„Wir arbeiten noch an der besten Technologie, um diesen ‚Anstoß‘ zu geben“, merkte Lall an.
„Eine groß angelegte Wolkenimpfung zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort ist ein möglicher Mechanismus, aber nicht zwangsläufig der entscheidende.“
Skeptiker bleiben äußerst zurückhaltend.
Katja Friedrich, Assistenzprofessorin für Atmosphären- und Ozeanwissenschaften an der University of Colorado, erklärte, es gebe derzeit keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass bestehende Methoden der Wolkenimpfung großräumige Systeme wie Hurrikane, die von gewaltigen dynamischen Kräften angetrieben werden, maßgeblich beeinflussen könnten.
Kara Lamb von der Columbia University verwies auf Herausforderungen, die bei früheren Experimenten zur Hurrikan-Beeinflussung beobachtet wurden.
Es sei nach wie vor „sehr schwierig, die Auswirkungen menschlicher Eingriffe von der natürlichen Variabilität der Hurrikane zu unterscheiden“.
Neben wissenschaftlichen Hürden wirft der Vorschlag tiefgreifende ethische und praktische Fragen auf.
Die Umleitung eines Sturms von einer Großstadt weg könnte eine andere Region gefährden und Debatten über Verantwortung sowie unbeabsichtigte Folgen auslösen.
Kritiker wie Robert Rauber von der University of Illinois warnen, dass selbst bei technischer Machbarkeit die politischen, internationalen und rechtlichen Auswirkungen wahrscheinlich unüberwindbar wären.