Ein Schulbezirk im ländlichen Norden des Bundesstaates New York hat seine Pläne zur Einführung eines humanoiden KI-Roboters im Unterricht auf Eis gelegt.
Wie NPR berichtet, folgte dieser Schritt auf heftigen Widerstand seitens der Bildungsbehörden des Bundesstaates, der Lehrerschaft und der Anwohner.
Der „Salamanca City Central School District“ hatte die Anschaffung eines stationären Roboters der Firma Realbotix, Spitzname „Sally“, ausgestattet mit langem, dunklem Haar, für fast 60.000 US-Dollar genehmigt.
Die Verantwortlichen stellten sich vor, dass die Maschine Schüler der Oberstufe im Robotik- und Technologieunterricht unterstützen könnte:
Sie sollte Fragen beantworten, Konzepte erklären und den Schülern praktische Erfahrungen bei der Wartung und Aktualisierung des Geräts ermöglichen.
Schulrat Mark Beehler beschrieb das Potenzial wie folgt:
„Probleme bei der Programmierung eines Arduino-Boards?
Oder wissen Sie gar nicht, was ein Arduino-Board ist?
Fragen Sie Sally, sie kann es erklären.“
Doch als sich die Nachricht in der kleinen Gemeinde im Reservat der Seneca Nation of Indians verbreitete, wuchsen rasch die Bedenken. Eltern und Pädagogen sorgten sich um den Datenschutz der Schüler.
Vertreter der Lehrergewerkschaft kritisierten vor allem die geschäftlichen Verbindungen von Realbotix zu einem Unternehmen, das täuschend echte Sexroboter herstellt.
Auch wenn Vertreter des Schulbezirks und der Firma betonten, dass die beiden Geschäftsbereiche strikt getrennt seien.
„Ein Roboter, der von einer mit Sexpuppen in Verbindung gebrachten Firma gebaut wurde, hat in unseren Klassenzimmern nichts zu suchen“, sagte Melinda Person, Präsidentin der Gewerkschaft „New York State United Teachers“.
Sie und andere Kritiker sahen in dem Pilotprojekt einen möglichen ersten Schritt dazu, menschliche Lehrkräfte aufs Abstellgleis zu schieben.
„Unsere Schüler brauchen keine Roboter“, fügte Person hinzu.
„Sie brauchen echte Beziehungen zu fürsorglichen Erwachsenen.“
Auch Betty Rosa, die Bildungsbeauftragte des Bundesstaates, äußerte in einem Schreiben an den Schulbezirk Bedenken.
Selbst nach Gesprächen mit Verantwortlichen der Schule blieb sie skeptisch hinsichtlich der beschriebenen Rolle des Roboters als „Nachhilfe-Plattform“ und forderte klarere Antworten zu Datenschutz und Sicherheitsvorkehrungen.
Die Verantwortlichen des Schulbezirks wiesen die Kritik zurück und betonten, dass der Roboter, sowie ein damit verbundenes virtuelles KI-Nachhilfeprogramm, nicht dazu gedacht seien, Personal zu ersetzen.
„Es ist absolut unmöglich, dass ein Roboter einen Menschen in der Schule ersetzt“, sagte Beehler plötzlich.
„Selbst wenn es möglich wäre, läge es keineswegs im besten Interesse der Schüler.
Unterrichten ist ein Prozess zwischen Menschen.“
Zudem wiesen die Verantwortlichen darauf hin, dass „Sally“ Informationen nur lokal speichere, weder Audio- noch Videoaufnahmen mache, keine Daten an den Hersteller übermittle und so programmiert sei, dass sie sensible Themen vermeide.
Realbotix selbst bezeichnete das Gerät als speziell für Bildungszwecke entwickelte Maschine ohne Hardware-Modifikationen aus dem Erotikbereich und erklärte, dass seine Tochtergesellschaften unabhängig agieren.