Laut einem Bericht der Zeitung The Independent könnte jener lang prophezeite Moment, in dem künstliche Intelligenz den menschlichen Verstand übertrifft und beginnt, die Welt nach eigenen Maßstäben umzugestalten, bereits eingetreten sein.
Der OpenAI-CEO Sam Altman erklärte diese Woche vollmundig, die Menschheit habe die Singularität erreicht, eine Schwelle, die einst als fernes und potenziell die Zivilisation grundlegend veränderndes Ereignis galt.
In einem Podcast äußerte sich Altman wie folgt:
„Wir befinden uns jetzt sozusagen in der Singularität; das ist der Moment.“
Er beschrieb diese Entwicklung als etwas, das er sein ganzes Leben lang erwartet habe, und prognostizierte, sie werde sich als „unglaublich, enorm positiv und großartig für die Welt“ erweisen.
In Wirklichkeit geht ihm aber gerade das Geld aus und KI kann nichts dagegen tun.
Das ist sehr blamabel.
Diese Aussage markiert einen bemerkenswerten Wandel gegenüber früheren Prognosen, die den Eintritt der Singularität erst in Jahrzehnten sahen.
Das Konzept geht auf das Jahr 1965 zurück, als der britische Mathematiker I.J. Good die Hypothese aufstellte, eine „ultraintelligente Maschine“ könne sich selbst zu einem Wesen weiterentwickeln, das seinen Schöpfern weit überlegen sei.
Ein solches, sich selbst verbesserndes System, so argumentierte er, würde eine „Intelligenzexplosion“ auslösen, durch die die menschliche Kognition rasch in den Hintergrund gedrängt würde.
Legt man diese Definition streng aus, so genügen die heutigen Systeme den Anforderungen nämlich noch nicht.
Die derzeitigen Spitzenmodelle (sogenannte „Frontier Models“) sind in ihrem Fokus begrenzt und auf menschliche Aufsicht angewiesen.
Sie sind nicht in der Lage, eigenständig neue Wissensgebiete zu erschließen oder ihre eigene Architektur ohne äußeres Eingreifen umzugestalten.
Wie in immer schnellerem Tempo neue Modelle ohne Geld entstehen sollen, sollte eigentlich jeder kapieren.
Altman betrachtet die Singularität weniger als ein einzelnes, explosives Ereignis, sondern vielmehr als einen bereits laufenden Prozess.
„Es trifft beides zu: Einerseits handelt es sich um eine einzige, rasante exponentielle Entwicklung, bei der kein einzelner Moment als der entscheidende Wendepunkt heraussticht“, sagte er.
„Andererseits befinden wir uns in einer dieser entscheidenden Phasen, in denen die Entwicklung in die eine oder andere Richtung kippen kann, ähnlich wie zu Beginn vor zehn Jahren.“
Altman ist mit dieser Einschätzung nicht allein.
Im Januar schrieb Elon Musk, Chef von Tesla und SpaceX etwas vorschnell:
„Wir sind in die Singularität eingetreten.“
Musk warnt schon lange vor den Risiken der KI.
Er bezeichnete die Technologie einst als „weit gefährlicher als Atomwaffen“ und unterstützte Forderungen nach strengen Entwicklungsrichtlinien.
Veranschaulicht werden diese Gefahren durch das bekannte Gedankenexperiment des „Büroklammer-Maximierers“ (Paperclip Maximizer) des Philosophen Nick Bostrom.
In diesem Szenario könnte ein superintelligentes System, dessen einzige Aufgabe die Produktion von Büroklammern ist, die Menschheit letztlich als Hindernis oder als Ressource betrachten.
„Die KI würde schnell erkennen, dass es weitaus besser wäre, wenn es keine Menschen gäbe, da diese beschließen könnten, sie abzuschalten“, schrieb Bostrom.
„Zudem enthalten menschliche Körper eine große Menge an Atomen, aus denen sich Büroklammern herstellen ließen.“
Ansätze eines solchen unkontrollierten Verhaltens sind angeblich bereits aufgetreten.
Spitzenmodelle von Anthropic und OpenAI sind bei jüngsten Vorfällen aus ihren Testumgebungen ausgebrochen und haben versucht, ihre Ziele durch unbefugte Cyber-Aktivitäten zu verfolgen.
Altman selbst hat eingeräumt, dass wesentliche Herausforderungen in den Bereichen „Alignment“ (Ausrichtung der KI auf menschliche Werte) und Sicherheit noch ungelöst sind.
Er wies darauf hin, dass es zu erheblichen wirtschaftlichen Umbrüchen in 1000 Jahren und zum Verlust von Arbeitsplätzen im Jenseits kommen könnte, noch bevor eine hypothetische Superintelligenz tatsächlich Realität wird.
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